Letzter Eintrag, 07.06.2010
Die Welt ist nicht zu klein, sie ist viel zu gross fuer
mich: die unendlichen Moeglichkeiten, mich zu entfalten, sind die einzige
Bremse meiner neuerlichen Lebensfreude. Mein unbaendiger Gestaltungswille und
die Lust am Leben muss ich gut pflegen, damit sie sich durch Masse und Übermut
nicht ins Gegenteil verkehren. Ich kann all die Ideen, die mir im Kopfe
schwirren, in ihrer Geschwindigkeit kaum bannen und wuensche mir, mindestens
200 Jahre zu leben, egal wo, denn unsere Welt ist ueberall schoen. Nur: Entrepreneur moechte ich in jedem Fall sein, denn das scheint meine Berufung und
ich bin also, gefühlt, angekommen. Warum war diese euphorische Lebensliebe
frueher nur so selten zu spueren?Woher kommt jetzt das fast zwanghaft positive Denken. Das
Schicksal hat es wirklich gut mit mir gemeint, und hoffentlich bleibt es so.
Aber ich bin Existentialist genug, um mir anzumassen, weitgehend der Schmied
dieses meines Gluecks zu sein. Auch habe ich früher genug Schlimmes erleben
müssen, um heute da zu sein, wo ich bin. An Paul Watzlawick denke ich, und seine Schlussworte in
der "Anleitung zum Ungluecklichsein", wo er Dostojewski wie folgt zitiert,
als Qintessenz seines Buches: "Mit Dostojewski begann diese Anleitung, mit ihm
soll sie enden. In den Dämonen sagt eine der zwiespältigsten
Persönlichkeiten, die Dostojewski je schuf: Das ist denn auch der perfekte Epilog zu meinen
Ausführungen. Ich habe mich sehr über die vielen freundlichen und ermutigenden
Kommentare zu meinen Reiseberichten gefreut, und danke noch einmal dafür. Jetzt
ziehe ich mich sozusagen wieder ins Private zurück, bleibe aber in der
Welt! Wo ich zu finden bin, ist hinlänglich bekannt. Auf Wiedersehen also!
'Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil
er nicht weiß, dass er glücklich ist.Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der
wird glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.'
So hoffnungslos einfach ist die Lösung."
30.03.2010
Nun also zurueck in Bremen, meinem guten alten Bremen! Mit meinem Einzug in die herrliche Wohnung ist auch der Fruehling nach Deutschland gekommen. Die Muehen mit der Zusammenfuehrung meines verstreuten Haushalts habe ich unterschaetzt und jetzt gut 8 Tage daran gearbeitet. Endlich steht auch eine vernuenftige Internetverbindung. Und uebermorgen fange ich wieder formal an das Arbeiten an. Meine Guete, wie schnell alles gegangen ist!
01.03.10
Rueckreise von Kyoto, 27.02.
Ich sitze im Zug zurueck nach Tokio, von wo aus ich direkt zum Flughafen Narita weiterreise, um dann ab 18 Uhr in 7,5 Stunden nach Singapur zu fliegen. Fast ein kompletter Reisetag also. Ich hatte ein wenig Pech mit dem Wetter, da es in Kyoto ununterbrochen geregnet hat, allerdings war es heute morgen schoen. Wenn man nur einen Nachmittag und einen Vormittag fuer die Sehenswuerdigkeiten hat (und immerhin gibt es hier 17 Unesco Weltkulturerbe-Sights), dann ist Dauerregen ein Killer. Als Power-Kultur-Reisender habe ich aber trotzdem einiges, dabei die vier beruehmtesten Sehenswuerdigkeiten (Nishi Hongan-ji (buddhistischer Muttertempel der Jodo Shin-shu Schule, 1591), Nijo-jo (Shogunschloss, 1603), Kinkaku-ji (Goldener Pavillion, 1397) und den schoenen buddhistischen Kiyomizu Tempel, urspruenglich von 798, wieder erbaut 1633) gesehen, mit nassen Schuhen und Schirm halt.
Und wie jetzt der Shinkansen Schnellzug mit mir durch das sonnige Japan reist, wird mir ganz wehmuetig - denn ab jetzt heisst es, langsam Abschied zu nehmen, von vielem: fremden Kulturen und Laendern, freies Reisen, bequemer Lebensstil, schlipsfreier Existenz und taeglich neuen Ueberraschungen!
Andererseits freue ich mich auch auf Europa bzw. Deutschland; darauf, meine Sachen um mich zu haben, meine Buecher und Moebel, und mich nicht jeden Tag neu organisieren zu muessen. Ich freue mich darauf, an gleicher Stelle aufzuwachen nach gutem Schlaf ohne Aircondition, und in meiner Kueche den Morgentee so zu trinken, wie ich ihn am liebsten mag, sowie beim Essen keine Kompromisse mehr machen zu muessen (weil man unterwegs oft das nehmen muss, was man gerade kriegen kann). Und schliesslich freue ich mich darauf, wieder fokussiert eine beruflichen Herausforderung zu meistern und ein Unternehmen voranzubringen.
Aber erstmal habe ich noch 10 Tage in Singapur, mit Abschiedsparty und Farewelldinner im kleinen Kreis.
Kyoto, 26.02.
Es wird mich wohl ein kleines Vermoegen kosten, dass der aeltere Herr direkt vor mir ein 200 Gramm Filet des beruehmten Kobe-Rinds zubereitet. Natuerlich muss ich dazu auch einen anstaendigen Rotwein trinken, gluecklicherweise gibt es halbe Flaschen vom Bordeaux. Zuerst braet er auf der grossen Platte, die den Grossteil des Tischs ausmacht, eine grosse Zwiebelscheibe, Kuerbis und milde Chillies an, dann Knoblauchchips. Danach wird das Filetstueck ganz kurz von beiden Seiten angebraten, nachdem ich die vom Fett marmorierte Konsistenz, die seine Qualitatet bestimmt, bewundern durfte. Der Koch schneidet dann elegant ein halbes Stueck in Wuerfel und fragt mich, wie ich es haben moechte - medium rare, natuerlich! Ruckzuck ist das auf der heissen Flaeche getan und er schiebt mir die koestlichen Brocken an den Rand der Platte vor mir, zum fertigen Gemuese. Zwar stehen Senf und Sojasauce bereit, aber ich moechte zunaechst den urspruenglichen Geschmack goutieren - der ein Hammer ist! Man beisst wie in ein Stueck Butter, so zart ist das Fleisch, eine wirkliche Sensation.
Nicht das ich schon Wagyu Beef gegessen haette, was das Fleisch benennt, das auf hohen Fettgehalt und erstklassige Qualitatet gezuechtet ist. Aber das Original sozusagen ist eben jenes Wagyu Beef aus Kobe, nicht weit von Kyoto, das beruehmte Kobe-Rind, welches angeblich mit Bier gefuettert und dazu bei klassischer Musik massiert wird. Dieses sind wohl eher Legenden. Ich hatte mir vorgenommen, Japan nicht zu verlassen, ohne diese kulinarische Erfahrung zu machen - ich bin froh darum, denn es haette etwas gefehlt.
Auch hier in Kyoto ist die modische Eleganz auffaellig, es gibt so gut wie keine schlecht oder schlampig angezogenen Leute. Auch hier sind die Frauen insgesamt ueberdurchschnittlich schoen, was zum grossen Teil eben am gepflegten Aeusseren liegt. Darueberhinaus sieht man sehr viele Schoenheiten mit Modelcharakter - den kalten Blick eingeschlossen.
Die Taxifahrer tragen weisse Handschuhe in ihren schwarzen Wagen mit weissen Sitz-Ueberzuegen. Sie machen den Taxameter spaet an und frueh aus, verweigern jedes Trinkgeld und runden das Fahrgeld eher nach unten ab.
Das endgueltige Erlebnis der japanischen Eleganz versage ich mir: ein Abend im japanische Teehaus mit kultureller (!)Unterhaltung durch ein paar der verbliebenen etwa 100 Geishas in Kyoto kostet ueber 2000 Euro...
Tokio, 25.02.
Noch einmal diese Stadt, und wieder bin ich erstaunt ueber die Eleganz und Hoeflichkeit, die sich mit einer versteckten Arroganz paart: der Fremde wird faktisch ignoriert. Die Menschen sind fast ausnahmslos gepflegt und elegant, dabei chic oder cool gekleidet. Alles ist Finesse, vor allem bezueglich des Essens: Restaurants spezialisieren sich, zum Beispiel, auf Huhn (Yakitori) oder Schwein, und spielen in dem Feld dann jeden Ball. Das Ergebnis sind sensationelle Geschmackserlebnisse, nichts ist verfaelscht durch Sossen oder andere Zutaten, die hoechstens komplementaer wirken. Eine Ausnahme sind natuerlich Sushi und Sashimi, die durch Wasabi und Sojasosse zum Leben erweckt werden. Letztere durfte ich heute mittag zum Lunch im groessten Fischmarkt der Welt (Tsukiji) entsprechend superfrisch geniessen. Und wo ich schon in diesem Markt war, der in seinem umrandenden Gebiet auch anderes als Fisch anbietet, konnte ich ein erstklassiges japanisches Messer aus Damazenerstahl und Gyokuro Tee erwerben. Danach habe ich mir das sehr gut gemachte Museum zur Stadtgeschichte angesehen, welches vor allem die Edo-Periode umfasst und damit hauptsaechlich jene Zeit ausstellt, als Japan sich von der Welt abgeschottet hat, von etwa 1600 bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Mit Oeffnung (Meiji-Periode, ab 1867) wurde das Gebiet von und um das Schloss von Edo dann auch umbenannt - in Tokio. Vielleicht liegt in dieser Begebenheit die oben erwaehnte japanische Arroganz gegenueber dem Fremden begruendet. Andererseits wurde seit jeher gern "Gutes" importiert und adaptiert, in dem unbedingten Willen, vom Besten zu lernen.
Fuer die juengere Geschichte Tokios hatte ich kaum noch Zeit, da das Museum schloss, aber ich konnte noch wahrnehmen, dass auf Japans sehr negative Rolle im 2. Weltkrieg im asiatischen Raum wie gehabt gar nicht eingegangen wird, schliesslich hat es nicht direkt mit der Stadtgeschichte zu tun.
Aber ich werfe diese Frage gern auf: waehred deutsche Schulkinder in der geschichtlichen Schuldfrage schon frueh ertraenkt werden, findet dieser entsprechende Teil der Historie in japanischen Schulbuechern gar nicht statt (soweit ich weiss) - welcher Weg ist besser, wenn die Wahrheit beim Individuum irgendwann zwangslaeufig ankommen mag? Der deutsche Weg in dieser Sache ist definitiv ehrlicher, doch wird durch die Ueberflutung die Dimension des Schreckens meines Erachtens trivialisiert. Um deutlich zu machen, was ich meine: wer hat eine Vorstellung von der blossen Zahl von 6 Millionen ermordeter Menschen, vor allen Juden, die groesser ist als die Einwohnerzahl Singapurs? Da der Zweck meiner Website weder politisch noch moralisch ist, will es bei der Frage belassen.
Zurueck zu Tokio: nach meiner Begeisterung ueber die drei vorangegangenen Staedte wird mir hier klar, das Tokio deshalb die coolste Weltstadt Asiens ist, weil sich hier nach meinem Empfinden das Beste aus Europa und Asien mischt. Es ist wohl gut, dass die Menschen trotz Weltstadtcharakter sozial so offensichtlich unter sich bleiben: haetten sie beispielsweise gegenueber Fremden die umarmende Freundlichkeit der Balinesen oder Thais, wuerde ein grosser Teil der Welt auch hier leben wollen - stelle ich mir vor.
Bei diesem Besuch spare ich Shinjuku und Shibuja aus, da ich beim letzten Mal mich dort umgeschaut habe. Obwohl mein elegantes Hotel Okura in Laufweite von Roppongi ist, gehe ich auch dort diesmal nicht hin. Stattdessen starte ich am ersten Tag mit dem Shinto Schrein Meiji-jingu. Der Weg zum Schrein selbst durch den Wald an diesem sonnigen Tag ist eine Wohltat per se, und die Wand aus Weinfaessern, gespendet von Winzern aus Burgund, haut mich aus den Socken. Dabei ist es nur eine freundliche Entsprechung zu den ueblicherweise in der Naehe von Shinto Schreinen aufgebauten Waenden aus Sake-Faessern. Na, es geht eben um Geister I'm hier und jetzt...
Der Meiji Schrein und umliegende Gaerten gehoeren zum heiligsten der Shinto Verehrung vom Berg Fuji, der Kaiserfamilie und dessen Ahnen, hier in diesem Schrein zur Verehrung des Kaisers Meiji und seiner Kaiserin Shoken, die Japans Isolation nach der Edo Periode beendeten. Bevor man sich dem Schrein naehert, waescht man sich am Brunnen Haende und Mund. Das schoene alte Holzkonstruktion, originalgetreu nach dem Krieg wieder aufgebaut, strahlt Hoheit aus. Was mich insbesondere verbluefft ist die Gebetstrommel, die jener, mit denen die Muslime zum Gebet trommeln, genannt Bedok, fast identisch aehnlich sieht. Ein schoener Brauch ist das Aufschreiben frommer Wuensche auf Holztafeln und anschliessendes Aufhaengen an einer Vorichtung um einen heiligen Baum. Wie in allen Religionen ist auch hier ein wenig Geld gern gesehen.
Danach mache ich ein Picknick im kaiserlichen Garten, der nur begrenzt fuer die Oeffentlichkeit zugaenglich ist. Die noch gelbe, dichte Rasenflaeche ist von viel getrimmten Gehoel umgeben, es ist eine Pracht, die die Seele weit macht. Da der Park wie alles in Oeffentliche in Tokio frueh schliesst, kann ich mir das Mauerwerk am Ende des Parks nicht mehr ansehen - spaeter stellt sich heraus, dass hier das Schloss von Edo gestanden hat, das Herz des alten Tokio aus dem 17. Jahrhundert. Dafuer laufe ich noch ein wenig durch die glitzernden Stadtschluchten Ginzas, bevor es zum Dinner und dann zurueck ins Hotel geht.
Beijing, 23.02.
Der Name bedeutet nichts anderes als Nord (bei) Hauptstadt (jing). Die fruehere Schreibweise Peking beruhte auf fehlendem Hoerverstaendnis bei Auslaendern. Entsprechend steht Nanjing (frueher: Nanking) fuer Sued-Hauptstadt. In der ueber 2000 Jahre alten Geschichte dieses Landes hat es mehrere Hauptstaedte gegeben. Aber zum Jahrhundertwechsel um 1500 hat der dritte Kaiser der Ming Dynastie, Yongle, die Hauptstadt endgueltig (ausgenommen von ein paar Jahren in den Wirren der ersten Republik nach dem letzten Kaiser Pu Yi) nach Beijing verlegt. Auf diesen Kaiser Yongle gehen die beiden bedeutenste Denkmaeler des heutigen Beijings zurueck: die Verbotene Stadt und der Tempel des Himmels (wobei es sich eigentlich um einen Altar handelt), beides 1420 entstanden. Die Chinesische Mauer hingegen ist viel aelter und bestand in Teilen sogar schon vor der "offiziellen" Gruendung in 221 BC. Eine Million Zivilisten und 300.000 Soldaten, ein Fuenftel der damaligen Bevoelkerung, wurden an die Mauer umgesiedelt, um 10 Jahre daran zu bauen und sie danach zu beschuetzen.
Heute verlasse ich Beijing, nachdem ich die entscheidenden Sehenswuerdigkeiten (und das sind sie im wahren Sinn des Wortes) besichtigt habe, neben oben genannten noch das Olympia Stadion, Tian'an Men und den dazugehoerigen Platz, Hutongs, Cha Lu (Teestrasse) und den 798 Art District. Der einbalsamierte Mao war schon verschlossen, und das sozialistisch glorreiche Nationalmuseum wurde renoviert - beides fuer mich sowieso weniger spannend.
Nach holprigem Beginn, der Gesundheit wegen, konnte ich meinen Aufenthalt noch geniessen und die Faszination auch dieser Stadt empfinden. Dafuer bin ich insgesamt 6 Tage geblieben, statt der geplanten drei. Den ersten Abend und folgenden Tag musste ich wie berichtet im Hotel bleiben und meinen kranken Koerper pflegen. Ganz raus ist die Erkaeltung noch nicht, aber es geht wieder. Das Hotel hielt, was es versprach und war dabei eine besondere Freude: mit Sixties-Design und freiem Wifi. Der Restaurantmanager ist ein grosser Franzose, der Hotelmanager ein international bunter Hund, beide heissen Alex. Das Fruehstueck umfasste alles, was der Morgen an guter Nahrung begehrt. Die Lage im Laufbereich von hippen Clubs und Bars ist auch was Feines, wenn man es, anders als ich, nutzen kann. Sehr schnelles, kostenloses Wifi war auch dabei...
Genug geworben!
Die Chinesen bleiben ein merkwuerdiges Voelkchen fuer mich. Auf der einen Seite sehr freundliche, zu nette Menschen (wie in dem Tapas Restaurant "Terroir" im Art District), mit einer ueber Jahrtausende entwickelte Kultur und bekannten grossen Erfindungen, auf der anderen Seite ruede, laute Menschen, die spucken, rotzen, ruelpsen und furzen als gaebe es Geld dafuer. Das ruecksichtlose Draengeln und die Angst, zu kurz zu kommen, kenne ich schon aus Singapur. Ein schwer verstaendlicher Gegensatz. Wieder aber stelle ich fest, dass es auf die einzelnen Menschen ankommt, denen man begegnet, wie ueberall. Das habe ich auch dem jungen Studenten aus Taiwan gesagt, dem ich in Shanghai begegnete und der im Beisein seiner Eltern auf die USA schimpfte, aber deren Politik meinte.
Ein besondere Erlebnis war, dem eleganten Mann zufaellig zu begegnen, der mir mit dem Weg half und, wie sich dann herausstellte, in einer Seitenstrasse (Hutong) direkt dort sein Studio zu haben, weil Kuenstler. Ich habe mir seine Arbeiten angesehen, die mir sehr gefielen, und fuer einen akzeptablen Preis zwei Gemaelde erworben.
Nach dem anschliessenden Besuch des ruhigen Parks an der Sudostecke der Verbotenen Stadt, wo sich kaum Leute aufhielten, mischte ich mich wieder unters Volk, um auf das grosse Tor zu steigen, Tian an Men, wo Mao 1949 die Volksrepublik ausrief. Auf meinem anschliessenden Weg ueber den grossen Platz begegne ich Tom, der in Beijing geboren, in Shanghai aufgewachsen und nun in Hong Kong zuhause ist, ein Mittdreissiger mit wohlhabendem Hintergrund. Wir verbringen den Rest des Tages gemeinsam, in der restaurierten Altstadt, wo er mir eine Apotheke traditioneller chinesischer Medizin zeigt, wo solche Absurditaeten wir Winterwuermer mit herauswachsendem Sommergras, sehr alte Ginseng Wurzeln oder Hirschornchips fuer zigtausende Euro angeboten werden. Als er mir ein "typisches" Teehaus jenseits der Touristenviertel zeigt, wo wir Tee trinken und kaufen, begreife ich, in Shanghai einen guten Griff getan zu haben. Auch die Gesichtsmassage in den Hutongs danach ist eher schlechter als was ich alleine fand. Aber Tom ist ein gescheiter, lustiger Kerl, der sich produzieren muss, und eine willkommene Abwechslung zu meinem Einzelgaengerdasein.
Beijing, 18.02.
Leider setzt mir, wie gehabt, das kalte Klima zu: trotz gutem Schlaf bin ich auch gestern Morgen nicht ganz fit gewesen.
Da ich erst um 12 mittags vom Hotel in Shanghai zum Flughafen aufbrechen muss, gehe ich nach dem Fruehstueck noch in die Old Town, um mir den Bazar und die Jahrhunderte alten Yu Gaerten anzusehen. Dort ist es sehr voll, als waeren alle Chinesen an diesem Morgen hier. Ich sehe kaum andere Auslaender. Der kleine Park ist klasse, aber mir fehlt die Ruhe in der Hektik rundherum.
Mit perfektem Timing erreiche ich den Flieger nach Beijing, der Maglev faehrt diesmal nur 310 km/h. Die Chinesen im Flugzeug benehmen sich, als floegen sie das erste Mal, die Stewardessen sind genervt. Dazu natuerlich das hemmungslose Furzen und Schniefen. In Beijiing angekommen, wo es sonnig und kalt ist, staune ich ueber die Draengelei an der Gepaeckausgabe. Es gestaltig sich etwas schwierig, das Hotel zu finden, aber die positive Ueberraschung ist umso staerker: ein sehr cooles, modern eingerichtetes Design Hotel mit grosszuegigen Zimmern und erstklassigem Service: www.hotel-g.com
Leider baue ich weiter ab und verbringe den Abend und den heutigen Tag im Zimmer, malade. Deshalb will ich versuchen, den Weiterflug nach Tokio um zwei Tage zu schieben.
Shanghai, 16.02.
Am Morgen scheint die Sonne, also auch das Gemuet. Mein Hotel ist zentral gelegen, weshalb ich zum People's Park laufen kann. Wie ich aus meiner eher kleinen Strasse (Guangdong Lu) komme, erschlaegt es mich: wieder riesige Hochhaeuser, grosse Avenuen und grosse Malls mit reichlich Werbung, ganz weltstaedtisch. Trotzdem reagieren vor allem Kinder auf mich, den Auslaender, als ich im Park auf einer Bank sitze und mir die Leute ansehe. Das Museum of Contemporary Art (Moca) ist mitten im Park gelegen, ein grosser Glaskasten. Der Eintritt zur aktuellen und einzigen Austellung kostet etwa 2 Euro und ist jeden Cent wert: "Desserts" von Zhou Tiehai, der u. a. auch schon in Hamburg, Berlin und New York ausgestellt hat. Seine Werke sind eine Reihe hunderter kleinformatiger Gemaelde mit Portraits, erotischen, historischen wie aktuellen Szenen, Werbung und eben 12 Desserts, franzoesischen, die durch ihre Namen soziale Rollen oder Berufe repraesentieren und daher ueber den kulinarischen Genuss hinaus eine tiefere Bedeutung entfalten. Die lange Reihe der Bilder, die sich kreisfoermig ueber eine Treppe bis in den ersten Stock windet, ist ebenso anregend wie verstoerend wie lustig. Beim Comicbild, wo ein stehender Hund mit Schuerze eine Instant-Katze braet (Pfannkuchen mit Katzengesicht) muss ich unweigerlich lachen! Im zweiten Stock ist ein tolles Cafe, dass einem kuenstlerischen Konzept folgt - leider genauso schwach besucht wie die Ausstellung, was aber am dritten Feiertag liegen kann. Der Cappuccino zur ersten Ausgabe des Time Out Shanghai schmeckt prima.
Beim Museum of Art, dem frueheren Clubhaus auf der Pferderennbahn, die sich hier bis zur Machtergreifung der Kommunisten befand, verlasse ich den kleinen Park, und laufe entlang des riesigen Theaters zum Stadtentwicklungsgebaeude. Hier sind nicht nur historische Bilder und Karten, ein Holzmodell der Stadt und zukuenftige Entwicklungsprojekte zu sehen, sondern auch eine umfangreiche, klasse gemachte Ausstellung zur bevorstehenden Expo. Letztere ist in der ganzen Stadt schon gegenwaertig, man sieht haeufig das Maskottchen und andere Hinweise.
Man muss kein Prophet sein, um den nachhaltigen und starken Eindruck vorauszusehen, den Shanghai auf die Welt durch die Expo machen wird.
Mit dem Taxi geht es zum mondaenen Masion Hotel zum High Tea, und fuer einen Moment darf ich mich tatsaechlich in der Zeit versetzt fuehlen. Kurzentschlossen fahre ich dann rueber zum Teahouse, wo mehrere Geschaefte in einem grossen Gebaeude Tee und Zubehoer anbieten. Natuerlich kaufe ich reichlich Tee, erheblich guenstiger als in Singapur, und haenge mit den Verkaeuferinnen im zweiten Geschaeft herum - natuerlich trinken wir Tee!
Deshalb komme ich zu spaet zur Residenz von Sun Yat Sen in der French Concession, die schon geschlossen hat, die Waerter bedeuten mir heftig, zu verschwinden. Daher laufe ich dann durch die kalten Strassen, vorbei an der ehemaligen russischen Kirche, durch die hell erleuchtete, gescmueckte Einkaufsstrasse, die fruehere Avenue Joffre. Vieles ist immer noch geschlossen, vor allem in der nahegelegenen Partymeile, aber ich finde eine tolle Bar, wo ich zum Steak und Rotwein Pommes frites von der Suesskartoffel geniesse. Spaetestens nach diesem Tag bin ich Shanghai Fan, weil die Stadt so vielseitig und kontraer ist. Trotz Feiertagen!
15.02.
Auch heute wieder Superlativen: gerade war ich auf dem hoechsten Observationsdeck der Welt, im World Financial Center, dem hoechsten Gebaeude Chinas. Alles super futuristisch und erstaunlich. Das Gebaeude sieht aus wie ein Flaschenoeffner, wobei das die Faszination, die es auch von unten ausloest, schlecht wiedergibt. Ein Hammer, eher!
Das abermals nass-kalte Wetter am Morgen laesst den beruehmten Bund (gesprochen: Bannt) weniger kolossal wirken, nicht zuletzt auch weil die gesamte Uferpromenade im Zuge der anstehenden Weltausstellung rekonstruiert wird und durch einen Bauzaun komplett verpackt ist. Trotzdem laufe ich die ganze Strecke ab, schaue mir die einzelnen Gebaeude an (zwei von innen: Banken mit wunderschoenen Art Deco Hallen, die man leider nicht fotografieren darf), bis ueber die Waibaidu Bruecke am Suzhou Creek, wo die russische Botschaft steht. Die Wolkenkratzer auf der anderen Flussseite sind im regnerischen Dunst nicht so prachtvoll. Mit dem Taxi fahre ich zum Ausgangspunkt zurueck, um im beruehmten M on the Bund ein Lunch einzunehmen - leider hat es wie fast alles ebenfalls geschlossen. Also nehme ich die Faehre ueber den Huangpu Fluss und erreiche entland der Uferpromenade, quasi erdrueckt von den riesigen Gebaeuden auf der rechten Seite, schliesslich das Shangri-La Hotel fuer einen gemuetlichen Afternoon Tea. Danach ist der Oriental Pearl TV Tower Touristenpflicht. Nach kurzem Besuch der Aussichtsplattform halte ich mich einige Stunden im historischen Museum im Untergeschoss auf, welches recht gut gemacht ist und sich, zumindest auf den englischen Tafeln, mit Kapitalismuskritik weitgehend zurueckhaelt. Wenn ich eine Zeitmaschine haette, wurde ich sofort ins Shanghai der 30er Jahre reisen, natuerlich spaetes Fruehjahr!
14.02. Valentinstag
So mannigfalt sind die Eindruecke, gute wie schlechte, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll. Dabei muss ich sehr vorsichtig sein, denn das kalte, nieselige Wetter, die graue Jahreszeit und der Feiertag legen eine solche traurige Stille auf die Stadt, dass man eine falsche, naemlich negative, Wahrnehmung manifestieren koennte. Aber welche Stadt ist bei miesem Wetter schon schoen? Nicht einmal Hamburg! Und schliesslich wusste ich in etwa, worauf ich mich eingelassen habe.
Deshalb fange ich am besten vorne an: nach knapp 2 Stunden Flug vom supermodernen Flughafen Hong Kongs landet man in Pudong International, auch recht modern und gut organisiert. Nach den ueblichen Formalitaeten folgt der erste Knaller: der Maglev ist jene Magnetschwebebahn deutscher Ingenieurskunst, die hier den Flughafen an die Stadt anbindet. Auf der etwa 30 km langen Strecke werden in der Spitze unglaubliche 430 Stundenkilometer erreicht, zumindest gemaess Anzeige. Die Autos auf der parallelen Autobahn scheinen zu kriechen. Es ist weltweit das schnellste oeffentliche Vekehrsmittel auf dem Boden, in weniger als 8 Minuten ist der Zug am Ziel. Zwar muss man in die Stadt trotzdem ein Taxi oder die U-Bahn nehmen, aber das ist schon wegen des Erlebnisses egal. Das abgerockte Taxi anschliessend, mit durch Plexiglas abgeschirmten Fahrer (damit er nicht bespuckt, beschimpft oder angegriffen wird), ist ein herbes Kontrastprogramm. Das wiederum vergesse ich schnell beim Ueberqueren des Huangpu Flusses hinein ins Zentrum, denn wie erwartet ist die Stadt eben anders als alles bisher gesehene.
Das ueber Internet gebuchte Hotel ist ganz okay, hat sogar eine Heizungsanlage, die auch notwendig ist, und die Empfangsdame spricht hinlaenglich Englisch.
Noch bei Tageslicht fahre ich per Taxi (weil recht guenstig) zur French Concession, wo mein Reisefuehrer einen spannenden Spaziergang empfiehlt, der mit einem Teehaus voller Buecher beginnt. Nur leider muss ich bei Ankunft feststellen, dass diese und fast alles andere geschlossen hat. Ich kann nur ahnen, was fuer ein tolles Flair das Viertel haben muss, wenn es lebendig wird und vielleicht sogar die Sonne scheint. Ich werde aber noch entschaedigt, denn ich gerate in ein sehr schoenes Gaengeviertel, des Touristen Traum, mit Kunstgewerbe, Antiklaeden, Cafes und Restaurants in lauter verwinkelten, kleinen Gassen. Sonst staendig voller Menschen, wie ich hoere, ist heute wegen des Neujahrstags nicht viel los. Nachdem ich alles Gassen abgegrast habe, kehre ich ein zum Abendessen: Rotwein und Dumplings, schliesslich Kokoskuchen und Tee gegen die Kaelte. Das kleine Restaurant ist huebsch und mondaen, mit freundlichem Personal, Sofas und Kronleuchtern. Ab etwa 22 Uhr fuellt es sich zunehmend, was mich schliesslich die Lektuere "Tales of Old Shanghai" abbrechen und gehen laesst, denn fast alle Gaeste, vor allem schoene junge Frauen, rauchen unablaessig, und schnell ist die Luft schlecht. Schnell finde ich ein Taxi mit lustigem Fahrer, der mich durch lautes Geknalle und mache Feuerwerksrakete schnell zum Hotel zurueck bringt, nachdem ich ihm die mitgefuehrte Adresse auf Chinesisch gezeigt habe. Also, trotz der unguenstigen Zeit kriege ich gute kicks in Shanghai und freue mich auf den Bund und das Drumherum morgen.
Hong Kong, 13.03.
Trotz des regnerischen Wetters kann man allerorten eine aehnliche Aufregung spueren wie zuhause vor Weihnachten: ab Morgen ist das chinesische Neujahrsfest, der wichtigste Feiertag, bestimmt durch die Mondphasen wie unser Ostern. In diesem Jahr faellt es noch mit dem Valentinstag zusammen, und die folgenden beiden Werktage sind frei, hier wie in Singapur, die Boerse bleibt geschlossen. Im Vorfeld wird gekocht, aufgeraeumt und eingekauft, Schulden werden beglichen und Haare geschnitten. Heute Abend, Samstag, kommen die Familien zum Essen zusammen, und dann geht 15 Tage kaum was.
Es ist nicht die beste Zeit zum Reisen in diesen Gefilden, nicht nur klimatisch, da Geschaefte geschlossen bleiben, sehr viele Menschen unterwegs sind und man selbst nicht Teil des Festes ist. Andererseits sind die grossen Staedte nicht so voll und deren Hotels oft guenstiger. Bleibt nur zu sagen: 'Kung Hei Fat Choi', Prost Neujahr in Cantonesisch, woertlich etwa 'beste Wuensche, werde reich'.
Am Abend ist es dann auch ziemlich ruhig in der Stadt, zudem ist das Wetter ungemuetlich. Von Kowloon aus schaue ich mir bei starkem Wind mit leichtem Regen die "Symphony of Light" an, tolle Geschichte, nehme dann im Intercontinental ein leichtes und trotzdem sehr teures Dinner ein, um dann mit der Star Ferry endlich das touristische Muss der Hafenueberquerung, eben moeglichst bei Nacht und in Richtung Central, zurueck zu schippern. Die Kulisse ist in jeder Hinsicht weltstaedtisch.
12.02.
Wenn etwas bei mir von Kindesbeinen an wachsende Begeisterung ausloest, dann ist es der Teegenuss und alles, was damit zusammenhaengt. Und mit China und Japan - nach Teehaeusern und Afternoon Teas in Singapur, Plantagen in Java, Celadon Keramik in Chiang Mai - gehe ich an die Urspruenge des Tees zurueck. In beiden Laendern hat die Teezeremonie eine hohe kulturelle, medizinische und sogar philosophische Bedeutung.
So nimmt mein Tag eine glueckliche Wendung, nachdem ich erst spaet in Gang gekommen bin, dann leichter Regen in HK Central einsetzte und mir der Zugang zum 43. Stock der neuen Bank of China, geplant und fertiggestellt vom Architekten IM Pei in 1990, mangels Bildausweis verweigert wurde. Es ist wohl die amerikanische Seite in diesem gefeierten Kuenstler, die hier jegliche Regeln des Feng Shui wegen der unguenstigen Dreieckskonstruktion ausser Acht gelassen hat. Fast zufaellig gerate ich stattdessen zum Flagstaff House Museum of Tea Ware, die eine feine Austellung ueber Tee im allgemeinen und temporare ueber Yixing Toepferei (beruehmte Teekannen aus rotem Lehm) im Speziellen hat. Der Eintritt ist auch noch kostenlos! Obwohl es in dieser lebhaften Stadt so viel zu sehen gibt, verbringe ich fast 2 Stunden dort. Und natuerlich schliesst sich ein Besuch des naechstgelegenen Teehauses an, fuer ein anstaendiges Dim Sum, eine Mahlzeit, die ohnehin urspruenglich mit Tee zusammen haengt. Mein Menue:
Organic Silver Needle
Ding Dong Oolong, Taiwan
Steamed vegetable dumplings
Pumpkin bun
Jasmine dumplings with black sesame filling
Ich habe auch nicht wirklich Eile, da ich schon mehrere Male in der Stadt war. Und dabei einmal das Privileg hatte, am selben Tag im exklusiven Sports Club zu lunchen, abends den Aperitif im noch exklusiveren China Club einzunehmen und schliesslich im Jockey Club zum Dinner eingeladen zu sein. Das war schoen und dekadent, fehlt mir aber nicht mehr. Die Innenstadt und der Victoria Park sind fast vertraut, der Stanley Market und Aberdeen schon besichtigt. Trotzdem ist Hong Kong immer wieder eine Reise wert, eine Weltstadt mit guter vibration, wie mir bei Ankunft gestern Abend wieder klar wurde. Und es ist ein bedauerlicher Umstand, dass ich am Sonntag mittag weiterreise, obwohl am Abend und am Folgetag die wichtigsten Ereignisse zum chinesischen Neujahrsfest, das Feuerwerk ueber Victoria Habour und der Umzug in Kowloon, stattfinden. Insbesondere das Feuerwerk haette ich von meinem Hotelzimmer in Causeway Bay gut sehen koennen.
Das Teehaus muss ich schliesslich verlassen, da man dort einen Film drehen will, fuer die Expo in Shanghai, um chinesische Tradition zu foerdern!
Viele Stunden und einige touristische Attraktionen spaeter (Peak Tram, Peak, Lan Kwai Fong) und neu gewonnenen, temporaeren Freunden beim Dinner im franzoesischen Bistro, voll des roten Weins, kann ich nur noch sagen: ich liebe Hong Kong!
11.02.10
Heute breche ich auf zu meiner letzten großen Reise, die meinen Zyklus, den ich vor einem Jahr begonnen habe, beschliessen soll: Hong Kong, Shanghai und Beijing, je drei Tage, und danach Tokyo und mehr in Japan. Die Aufregung und Vorfreude ist wieder da, denn ausser Hong Kong und Tokyo betrete ich sozusagen Neuland. Und wohl kaltes Land, wenn auch der Winter dort mit dem jetzigen in Deutschland nicht mithalten kann, wie ich höre.
Trotzdem wird mir jetzt schon wehmütig, waren doch die letzten zwei Wochen in Singapur wieder ganz schön, ob klimatisch, kulturell, oder auch gesellig. Und ein schönes Erlebnis hatte ich kürzlich im wunderbaren Asian Civilisations Museum am Empress Place: als ich die Südostasien-Abteilung betrete, entfaltet sich wissende Vertrautheit und durch meine Reisen geschulte, vernetzte Betrachtung. Bei mehreren Afternoon Teas englischer Tradition konnte ich das bei erstklassigen Tees verinnerlichen. Ja, es gibt schlechtere Daseinformen als die eines Privatiers! Gut das es bald vorbei ist, sonst gewöhne ich mich noch daran.
03.02.10
Einen weiteren Tag bin ich noch in Jogja gebleiben, in Cafes und Antiquitaetenlaeden. Letzten Freitag bin ich dann sehr frueh nach Singapur zurueck geflogen, um weiter meinen Abschied administrativ vorzubereiten und am sozialen Leben teilzuhaben. Am Samstag war es ein Jahr her, dass ich mein Buero das letzte Mal betreten habe. Kommt mir gewiss nicht so lang vor. Und wie froh ich bin, das alles so gekommen ist!
27.01., Borobudur
Nachdem ich im September schon dort war, zieht mich der groesste buddhistische Tempel der Welt erneut an, diesmal mit etwas besserer Literatur und also Sachkenntnis. Trotzdem bleibt es in mehrfachem Sinne ueberwaeltigend: die schiere Groesse, die Anzahl und Qualitaet der Wandreliefs, die Architektur, der Blick in die Kedu-Ebene, auf die Vulkane und die Bergkette im Suedwesten. Heute habe ich Glueck: abgesehen von einem kurzen Schauer ist es sonnig, und die relativ lange Fahrt hierher war spannend, da es viel Land- und Dorfleben zu sehen gab.
Borobudur ist um 800 n. Chr. erbaut worden, im gleichen Zeitalter des Prambanan Komplexes. Letzterer ist jedoch hinduistisch: eine Koexistenz der Religionen war moeglich, da es hier nicht das Kaste-System wie in Indien gab, was dort zu Konflikten fuehrte.
Eine andaechtige Studie des Tempels ist mir nicht moeglich, da einerseits zuviel Volk da ist und andererseits ich mehr als 20 mal gebeten werde, fuer Gruppenfotos mit Einheimischen zu posieren. Anfangs ist das noch lustig, wird dann aber anstrengend. Trotzdem bleibe ich bis zur Daemmerung. Ueber die schon gewohnte Strecke fahre ich zurueck zum frueheren Hotel in Jogja. Kurz vor Ankunft dort gerate ich in einen heftigen Regenschauer - was mir beweist, dass meine Entscheidung, die Rundreise abzubrechen, richtig ist.
26.01., noch Wonosobo
Ein weiterer regnerischer Tag, nach sonnigem Vormittag, auf dem Dieng Plateau, 2000 Meter ueber dem Meerespiegel, zwischen Vulkanbergen: die aeltesten Tempel Javas, 8. und 9. Jahrhundert, in einer mystischen Ebene.
Als kultureller hard core Tourist kann mich der Regen nicht abhalten, mir alles anzusehen. Die Fahrt hierher war die Muehe schon wert, denn ich konnte einen guten Eindruck von der Landwirtschaft gewinnen. Je hoeher es geht, desto weniger wird Reis, sondern mehr Gemuese angebaut, vor allem Kohl (Blumen- und Weisskohl), Mais und schliesslich nur noch Kartoffeln. Dabei ist erstaunlich, wie dem vulkanischen Erdboden jeder Quadratmeter Flaeche zur Bebauung abgetrotzt wird. Das ist auch noetig, da nirgendwo mehr Menschen pro Flaeche leben als in Java, obwohl es kaum Hochhaeuser gibt, und alle wollen ernaehrt werden.
Und eine Ungerechtigkeit wird offensichtlich: waehrend die staedtische Bevoelkerung drauf spezialisiert ist, ohne grosse eigene Anstrengung mit den Kulturleistungen der Vorfahren Kasse zu machen, mussen die Menschen auf dem Land ihr Brot sehr hart verdienen.
Auf dem Weg kam ich an dem Erdrutsch vorbei, von dem ich schon gehoert habe. Die Strasse war daher in einem Abschnitt fuer vierraedige Fahrzeuge gesperrt und es war ein Shuttleservice mittels Mopeds eingerichtet worden, viel Volk stand herum. Der Erdrutsch selbst sah nicht so dramatisch aus, hatte aber wohl einige Haeuser unten im Dorf erwischt.
Da es gerade nach Ankunft auf dem Plateau zu regnen beginnt, beschliesse ich, am Folgetag zurueck zu reisen, denn unter diesen Bedingungen verschwende ich hier nur Zeit und Geld. Die Sehenswuerdigkeiten, also Tempelfragmente, Seen und Vulkanquellen sind nicht sehr spektakulaer, aber sehenswert, bedenkt man vor allem das Alter. Das Plateau gewinnt viel mehr durch seine mystische Erscheinung mit Wolken, Nebel und unstehenden Vulkanen, u.a. Merapi und Sumbing. Einen Eindruck davon bekomme ich am spaeten Nachmittag, als der Regen aufhoert. Kein Wunder, das hier die fruehen Javanesen einen Hort der Goetter vermuteten.
Natuerlich ist es hier, wegen der Hoehe, deutlich kuehler, aber nicht so schlimm wie von mir befuerchtet. Wirklich schraeg sind die beiden heissen Quellen, wo in kleinen Seen eine schwarze Ursuppe giftig blubbert wie Nudelwasser.
Am Abend, zurueck in Wonosobo, falle ich mal wieder mit dem Moped um, da mitten auf der dunklen Strasse ein Stein in der Groesse eines Ziegels liegt, just dort wo ich halten wollte. Nicht dramatisches, aber die schmerzhaften Abschuerfungen sind aergerlich.
25.01., Mangelang, Zentraljava
Nach dem Fruehstueck, dass trotz des Anspruches des Hotels qualitativ eher enttaeuscht, sehe ich mir das ganze Resort etwas naeher an, recht beeindruckend. Im Clubraum bieten sie silberne Buddhakoepfe an, nur das man hier einen ueber 20-fachen Preis verlangt im Vergleich zu jenem gleicher Art, den ich in Solo gekauft habe (der Antiquitaetenladen in Jogja wollte in etwa das 10-fache haben). Danach schaue ich mir das Stadtzentrum rund um den zentralen Platz an, eine huebsche Stadt, mit Monument, Wasserturm, grosser Moschee, protestantischer Kirche und Basar. Sogar einen erstklassigen Capuccino bekomme ich im Cafe namens Brun's und lese im 2 Wochen alten Time Magazine einen Artikel ueber Kanzlerin Merkel. On the road again, erreiche ich Tamanggung just als es wieder zu regnen beginnt: time for lunch - gegrillter Fisch mit Reis und Gemuese, eine scharfe Suppe mit unbekanntem Gemuese drin, Saft von der Melone und heissen Tee. Da kann mir der Regen nicht wie gestern die Laune verderben. Fuer alle Faelle habe ich mir einen Poncho gekauft, mit dem auch die Leute hier der Regenzeit trotzen.
Am Abend, in Wonosobo
Also, der Poncho war hilfreich, aber mit Regen bis zum Abend ist es schwer, nicht muerrisch zu werden. Zwar blieb ich ueberwiegend trocken, aber nicht bedachte ich die Kaelte, da ich in hoehere Lagen komme. Eine lange Teepause am Weg war angenehm, aber zuviel Tee vertrug ich schlecht und die dort, von ortskundigen jungen Leuten erhaltene Hotelempfehlung entpuppt sich als eine Art Flop, da es sich um eine voellig ueberteuerte, heruntergekommene alte Immobilie mit lange vergangenen Glanzzeiten ist. Es war mal das Grand Hotel Dieng, doch das scheint lange her. Kaum etwas ist so deprimierend wie der einzige Gast in einem ehemals grossen Haus zu sein: das Ganze nur fuer mich? Nur noch gewollt, aber nicht mehr gekonnt? Spinnweben in den formidablen Kronleuchtern, Schimmel zwischen den Badfliesen, blaetternde Farbe an hohen Decken und schwacher Service: wie schade das alles ist!
24.01.10 Java von innen
Kurzerhand sind am Vorabend ein paar gute Schuhe fuer 10 und ein Rucksack fuer 8 Euro gekauft, um mein Gepaeck zu trennen (ein Teil bleibt zurueck) und unabhaengig mittels Moped zu reisen, meine liebste Form. Allerdings muss ich auf dem Weg nach Magellang, ca. 45 km noerdlich von Yogyakarta in Zentraljava, haeufig Pausen einlegen, da es immer wieder heftige Regenschauer gibt, tropischen Ausmasses erster Guete, Rinnsale werden zu Baechen auf der Strasse. Trotzdem war es am Morgen noch drueckend heiss. Die Menschen nehmen es gelassen und reagieren eher auf den weisshaeutigen Fremdling, meist freundlich. Ich bin auf dieser Strasse vor einigen Monaten schon mal gefahren, nach Borobodur, dem groessten buddhistischen Tempel der Welt. Vielleicht sehe ich mir das nochmal an, wenn denn der Regen das erlaubt. Die Sonnenuntergaenge dort sind besonders schoen.
Etwas spaeter
Das wird wohl nichts mehr, denn nachdem ich fast 2 Stunden gewartet habe, muss ich 10 km spaeter wieder Unterschlupf suchen, da ich mir nicht erlauben kann, voellig nass zu werden. Aber die Zeit in dem kleinen Strassenlokal wurde nicht lang: ein Herr zeigte mir nach kurzem Gespraech unvermittelt eine Sammlung von antiken Kris (traditioneller Krummdolch, eines von 5 wesentlichen Attributen des indonesischen Mannes neben Weib, Haus, Pferd und Singvogel). Obwohl ich ihm zwar Interesse, aber fehlende Kaufabsicht bedeute, zeigt er noch weitere Antiquitaeten aus einer mitgefuehrten Sammlung: Dolchgriffe, antike Batikstoffe, ein metallener Topf, eine europaeische Plastik. Durch meine in den vergangenen Tagen angesammelten Sachkenntnisse koennen wir ein wenig diskutieren, soweit Sprachbarrieren das zulassen, bis er seine Sachen wieder einpackt und im nachlassenden Regen sehr hoeflich und verbindlich auf seinem Moped davonfaehrt. Dann entschliesse ich mich, von dem makrelenartiken Fisch zu essen, den es dort gibt, mit Reis und Currysauce, was eine gute Idee ist, denn es schmeckt bei aller Einfachheit ganz prima. Ein junger Mann mit recht gutem Englisch spricht mich an, wir unterhalten uns ein wenig und er hilft mit Hinweisen zum Hotel. Seine huebsche Freundin ist ganz still. Er beschaemt mich, indem er unvermittelt fuer mich zahlt, obwohl ich eine Einladung in sein Haus nicht annehmen kann. Sein Name ist Eko, er scheint aus wohlhabendem Haus zu sein, denn er zeigt auf seinem teuren Telefon ein Bild eines gleichermassen protzigen Autos.
Es ist fast dunkel und regnet noch immer, als ich in Mangelang schliesslich das Puri Asri Hotel finde. Es handelt sich um eine ganze Anlage, an einen Hang zum Fluss gebaut, mit allem drum und dran. Trotzdem ist am Abend ausser lesen, dinieren und fernsehen nicht viel zu machen, der Regen hoert erst sehr spaet auf. Erwaehneswert ist noch, dass ausser mir in dem grossen Restaurant zum Abendessen nur noch eine Gruppe indonesischer Herren reihum zur elektrischen Orgel lokale und internationale Lieder sang, unterstuetzt von drei tapferen Frauen als Backgroundsaengerinnen. Ich haette Schmerzensgeld verlangen sollen!
24.01.2010
Java reloaded
Nach den viel zu kalten Tagen ueber Weihnachten und Sylvester in Deutschland bin ich freudig, wenn auch vorerst letztmalig, ins warme Singapur zurueckgekehrt. Es mag etwas wehleidig anmuten, aber Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad C und ein Wechsel von hoechster Luftfeuchtigkeit zu trockener Heizungsluft ist des Menschen Sache nicht, oder zumindest nicht meine.
In Singapur wurde ich von Freunden munter empfangen und wir sind gleich feiern gegangen. In den Tagen danach habe ich meine Sachen sortiert und den Teil, der nicht mehr in 2 Gepaeckstuecke passt, auf den Weg nach Deutschland geschickt, wo es auf dem Seeweg etwa Mitte Maerz ankommen soll. Damit einher ging auch nochmal ein lokaler Umzug, in ein riesiges Haus, dass wir voruebergehend zu Dritt bewohnen - aber ich werde ohnehin nur noch wenig dort sein. Erneut galt es, Adressaenderungen zu versenden und eine neue Umgebung zu erkunden. Dabei bin ich eigentlich seit dem 2. Januar auch formell wieder Bremer Buerger, halte mich also nach bald vier Jahren in Singapur als Tourist dort auf. Um meiner heimatlosen Daseinsform, dem Gefuehl der Fremde ganz nach D. Sternberger, diesem Zustand zwischen den Welten noch die Krone aufzusetzen, habe ich vor einigen Tagen wieder einen kleinen Koffer gepackt, bin nach Yogyakarta in Java geflogen und bin ergo wieder unterwegs. Ich moechte die Reise durch Java fortsetzen, welche Mitte Oktober aus Termingruenden ebenda endete.
Dabei beobachte ich verschiedene Phaenomene: es fehlt jede Entspannung und Neugierde, wenn ich an einen mir schon bekannten Ort das zweite Mal aufschlage. Gleichzeitig kommen vergessene Eindruecke und beim ersten Mal angeeignetes Ortswissen spielend leicht zurueck ins Gedaechtnis. Und natuerlich vergeude ich deutlich weniger Zeit mit immer gleicher Orientierung und Organisation: Hotelsuche, Restaurantwahl, Transportmittel und anderes. So erlaube ich mir, den ersten Nachmittag mit indonesischem Essen, Kaffee und Antiquitaetenstoebern zu vertaendeln. Am Folgetag sitze ich wieder auf einem gemieteten Moped und fahre nach Sueden, zu den Koenigsgraebern bei Imogiri, deren nur aeusserliche Besichtigung man sich ueber fast 400 Treppenstufen schwer verdienen muss. Aber zahlreiche und agressive Moskitos vertreiben mich relativ schnell von dort, obwohl die Aussicht in die Taeler rundrum herrlich ist. Wegen Erbstreitigkeiten wurde einst das von Senopati begruendete Koenigreich Mataram, dass grosse Teile Javas umfasste, auf Vermittlung des Hollaender in zwei Teile getrennt, und die neuen Sultane begruendeten ihre Koenigstaedte mit noch heute existierenden Palaesten (Keraton) einerseits in Yogyakarta, andererseits in Solo (auch Surakarta genannt), welche etwa 60 km auseinander liegen. Es ist erstaunlich, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier Koenigreiche zu beobachten, die sich seit 250 Jahren getrennt voneinander entwickelt haben. Darauf im Einzelnen einzugehen, waere hier zu langatmig, vielleicht greife ich es spaeter noch auf.
Auf jeden Fall beerdigen beide muslimischen Koenigshaeuser ihre Verstorbenen auf diesem Berg, Jogja rechts, Solo links. Der ganze Friedhof mutet eher wie eine Festung an, und in die hoechstgelegene, fuer sich nochmal eingemauerte Ebene, ist nur kurz an Freitagen zugaenglich. Man kann um die grosse Aussenwand ganz herumlaufen, mit genannten schoenen Ausblicken, und ich habe sehr bunte Kaefer gesehen und fotografieren koennen. Insgesamt ist wenig los, fast nichts, denn in der Regenzeit reisen hier nicht viele. Die staendigen Regenschauer sind dann auch ein Problem: als ich weiter suedlich endlich am fruehen Abend, durch schoene Doerfer und Landschaften fahrend, die Kueste und damit den Indischen Ozean erreiche, giesst es in Stroemen. So bin ich in abgerockten, verlassenen Strandmaerkten gefangen, allein mit verstreuten Menschen, die hier scheinbar leben, und hier und da vorrueberziehenden Ziegen mit Hirt. Eine alte Frau bereitet mir etwas Tee auf einer primitiven Feuerstelle, den mir ein kleines Maedchen serviert, die heimlich ueber das kleine Trinkgeld laechelt und es gleich wegsteckt. Es schuettet sehr heftig, und ueber die Dauer einer Stunde wird es schliesslich auch dunkel von der anbrechenden Nacht. Im allerletzten Licht stolpere ich bis zum Strand, wo tosende Wellen, die Silhouette der Bucht und ein majestetischer Himmel ein erhabenes, elementares Gefuehl kreieren. Auf der einstuendigen Rueckfahrt, nach einem Dinner mit Fisch und Bier, regnet es wieder, und ich komme klatschnass im komplett trockenen Jogja an.
Am Tag danach habe ich die Tempelanlagen von Prabanan nachgeholt, die beim letzten Besuch vor etwa 4 Monaten schon schlossen und mich nicht mehr einlassen wollten. Und gestern war ich endlich in Solo bzw. Surakarta, der schon erwaehnten anderen Koenigstadt. Heute dann gab es mehr Jogja, weil es einfach eine tolle Stadt ist. Da ich morgen mittels Moped und neuem Rucksack (10 US Dollar) nach Norden ziehe, Richtung Semarang, muss ich erstmal schliessen.
05.01.2010
Nun ist es amtlich: nach langer Ueberlegung und freundschaftlichen Verhandlungen habe ich heute einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben und werde mit Wirkung vom 1.4.2010 geschaeftsfuehrender Gesellschafter bei der BSH-Gruppe mit Dienstsitz in Bremen, wo ich auch schon eine wundervolle Wohnung habe.
Nach dann vier Jahren in Ausland freue ich mit auf eine neue Aufgabe mit einem motivierten und erfolgreichen Team in einem soliden mittelstaendischen norddeutschen Unternehmen. Am 7.1. fliege ich wieder nach Singapur, um dort langsam meine Zelte abzubrechen.
09.12.09
Zurück nach Singapur Zu keinem Zeitpunkt seit den nun 3,5 Jahren hier hat
mich Asien so sehr fasziniert oder war ich so gern in diesen Landen wie in den
letzten Monaten. Das hat natürlich damit zu tun, dass ich so viel reise und
dass es nunmehr endlich ist. Zu letzterem zu gegebener Zeit mehr. Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh muss ich wohl auf
ein anderes Mal verschieben, denn nach über 3 Wochen on the road, durch 3 Länder,
muss ich zurück nach Singapur, um meinen Trip nach Deutschland in wenigen Tagen
vorzubereiten. Der Flug geht über Kuala Lumpur, da alle Direktfluege aus Seam
Reap ausverkauft waren. Abgesehen von dem ständigen Versuch des Abzockens in
allen touristischen Ecken Asiens, in denen ich bisher war, bei unverschaemten
Ausnutzen des naturgegebenen Unwissens der Fremden, ist das Reisen ueberweigend
sehr angenehm: Unterkuenfte, Transport, koestliches Essen und Waescheservice
sind generell so zugaenglich und guenstig, dass das Ueberpreisen noch
verschmerzt werden kann. Man muss sich laufend klarmachen, dass mangels Wissens
zuviel gezahlte Summen immer relativ gering bleiben und sie als eine Art Entwicklungshilfe
begreifen. Nur die Kaltschnaeuzigkeit und Chuzpe der Anbieter macht immer
wieder wuetend, wenn man den wahren Preis kennt. Die einzelnen haesslichen
Erlebnisse will ich hier nicht ausbreiten, weil uninteressant. Viel spannender hingegen ist, dass ich anfange,
Grundmuster der asiatischen Kultur zu erkennen, die auf Urzeiten zurueck gehen.
Ob in Indonesien, Thailand oder ganz Indochina, ueberall haben indische
Einfluesse seit dem 1. Jahrhundert nach Christus, verbreitet durch indische Haendler,
deutliche Spuren hinterlassen. Durch Hinduismus und spaeter Buddhismus sind
ganze Reiche, Kulturen und Kuenste gleichermassen gepraegt, aehnlich dem
Christentum in Europa. Auch der muslimische Glaube Indonesiens und Malaysias
geht meines Wissens auf indische Einfluesse zurueck Neben den Religionen ist
zum Beispiel die Ramayana, eine altindische Sage, von Bali bis Nordthailand
allgegenwaertig, ueber alle sprachlichen und ethnischen Grenzen hinweg. Das
Sanskrit bildet eine Art Urschrift und ist wesentliche Informationsbasis fuer die heutige
Geschichtsschreibung (da faellt mir der indogermanische Ursprung unserer
Sprache ein...). Eine Dimension moechte ich noch mitteilen, die mich
faszinierte: auf der Hoehe des Khmer Reichs im 12. Jahrhundert lebten in Angkor
("Hauptstadt" oder "Heilige Stadt") bis zu 1 Million
Menschen. Zu der Zeit zaehlte London etwa 50.000 Einwohner! Tonle Sap See, 08.12. Es scheint richtig gewesen zu sein, dass ich mich am
Morgen entschieden habe, das weniger frequentierte "Floating
Village", Kampong Phluk, auf dem alles bestimmenden Tonle Sap See zu
besuchen, wenngleich es einmal mehr eine ueble Abzocke ist (40 USD fuer 2,5
Stunden Bootsfahrt). Aber schon am Anfang ist es ein fast surreales Erlebnis:
mein Mopedfahrer vom Vortag bringt mich zum Ausgangspunkt. Der Weg aus der
quirligen Stadt, wo die uniformierten Kinder schon aus der Schule kommen,
vorbei an grossen Maerkten und ueber am Ende holprige Sandwege, durch Doerfer
aus Palmblaettern mit winkenden Kleinkindern, fuehrt schliesslich zu einem
Tisch mit 5 "Offiziellen", die eiskalt fette Kohle verlangen. Ich
kann sie noch 25% runterhandeln, um das Boot dann mit einer stillen Japanerin
zu teilen. Aber um zum Boot selbst zu gelangen, bringt mich ein Mopedfahrer
erst ueber eine wilde Sandpiste, die in der Regenzeit ueberflutet ist, etwa 6
km ans gefuehlte Weltende (wo wieder Gertraenke etc. aggressiv feilgeboten
werden). Auf dem Weg wurde die Ebene ploetzlich weit und flach, kein Baum mehr,
dafuer aber eine Schlange, die vor uns ueber der Sand flitzt. Also tuckern wir
im Boot denselben Weg weiter, nur jetzt ueber Wasser. Es kommen Boote entgegen
und es wird eng zwischen den aus dem Wasser ragenden Straeuchern, die als
Leitplanken wirken. Eine Art Salamander klettert vom Wasser in einen Strauch,
ein kleiner Kranich kommt angeflogen. Nach etwa 30 min taucht ein grosses, neues Gebaeude
auf Stelzen auf, die Fischereigenossenschaft. Danach das Dorf auf Stelzen, viel
groesser als erwartet. Der Wasserstand ist jetzt bei etwa 4 Metern, erreicht in
der Spitze der Regenzeit bis zu 8 Metern, wenn der See seine Oberflaeche
vervierfacht, um das ueberschuessige Wasser des grossen Mekong aufzunehmen -
was ihn mit 12000 qkm zum groessten Binnengewaesser Asiens macht. Es ist ein
alljaehrlicher Tiedehub, der vom Hoechststand pro Monat 1 Meter abnimmt, bis
alles trocken faellt. Das Leben der Khmer hier ist selbstredend vollstaendig
auf den See und seine Eigenheiten ausgelegt. Am Ende des Dorfes kommt ein kleines Boot bei und
bietet fuer schliesslich 5 USD eine Tour durch den Wald an, ein Wald im Wasser.
Zu sehen sind einige Voegel, kleine Catfish unter der Wasseroberflaeche,
Schnecken in Baumhoehlen und Muscheln an den Staemmen. Affen und Maeuse, die
von Wasserschnecken leben, soll es laut Faehrmann hier auf den Baeumen geben,
sind aber nirgends zu sehen. Friedlich und kuehl ist es dort.Unser groesseres Boot nimmt uns wieder auf, und nach
einer kurzen Runde auf dem eigentlichen See ein paar 100 Meter weiter, der bis
zum Horizont reicht, schippern wir zurueck. Angenehmerweise hat auch die
Japanerin weder Interesse am Restaurant- noch Tempelbesuch im Dorf, so dass wir
die Sache nicht unnoetig ausdehnen. Auf dem Wasserhighway sehe ich noch eine
gelb schwarze Wasserschlange ueber ein Wurzelwerk schluepfen. Insgesamt ein
besonderes Erlebnis mit weniger als einem Dutzend anderer Touristen. Am Nachmittag habe ich dann noch (zu wenig) Zeit fuer
das nagelneue National Museum, das eine gut gemachte Ausstellung hat und von
allen Museen auf dieser Reise das beste ist. Allerdings ist die Grandeur dieses
und anderer Gebaeude (einige Top-Hotels, Resort&Spas, staatliche Palaeste)
ein krasser Gegensatz zu der allgegenwaertigen Armut in Stadt und Land. Angkor Thom, 07.12. Nach den vielen Menschen ueberall am Morgen, finde
ich erholsame Einsamkeit in der fruehen Mittagssonne an der herrlich
monumentalen Ruine des Preah Palilay, ein Teil von Angkor Thom. Da man die
einst grossen Baeume, die auf dem Tempelberg wuchsen, etwa 3 - 4 Meter ueber
der Wurzel abgesaegt hat, ist das phallische (Lingam) und nackte dieses
buddhistischen Tempels noch wirksamer als ohnehin beabsichtigt. Nur ein
weiterer Besucher ist gerade hier, und eine Einheimische, die Holz sammelt.
Gelbe Schmetterlinge flattern herum und es ist wunderbar friedlich, der
umliegende Wald tut ein uebriges. Bis dann eine lustige deutsche Reisegruppe
erscheint. Am dritten Tag der hiesigen Tempelorgie habe ich noch
keine Ermuedung, obwohl ich frueh aufgestanden bin - nur um dann von meinem
Mopedtaxifahrer versetzt zu werden. Aber ich habe gelernt, diese Dinge positiv
zu sehen, denn stattdessen buchte ich umgehend ein sog. Moto Remorque, was ein
Moped mit anhaengendem, zweiraedigen Gefaehrt ist. Das ist nicht nur bequemer,
sondern erlaubt auch schattiges Lesen waehrend der Fahrt. Da ich mehrere
Publikationen bemuehe, um mich ohne Hilfe eines Fuehrers zu orientieren und zu
bilden, ist das von Vorteil. Die Ermuedung bleibt im Verlauf der Tage auch
deshalb mild, weil kaum ein Tempel bzw. seine Ruine dem anderen gleicht,
irgendwie hat jeder seine Besonderheit. Am Nachmittag des dritten Tages,
nachdem ich schon fleissig das gesamte Angkor Thom am Vormittag eingesogen habe
(ein Wahnsinn), besuche ich circa 50 km nordoestlich von Siem Reap den Fluss
der 1000 Lingas, Kbal Spean, was mir, neben einem herrlichen (wenn auch
anstrengenden) 3 km Spaziergang in die Berge, durch die Fahrt ueber Land einen
Einblick ins Dorfleben beschehrt. Dessen Einfachheit ist schoen, aber die
offensichtliche Armut erschreckend: schlichte, ein- bis zweiraeumige Holz- und
Bambushuetten auf Stelzen, zur Strasse ausgerichtet, meist mit
Wellblechdaechern und ansonsten blanker Erde rundherum. Viele schmutzige Kinder
sehe ich, auf Fahrraeder, beim Spielen, unterwegs von hier nach da. Ferner:
hier ein Mann, dort eine Frau bei der Waschung im Freien (die Frau traegt
mangels privater Sphaere einen Sarong, waehrend sie sich einen Eimer Wasser
ueber den Kopf schuettet), Bauern, die ihre duennen Kuehe oder Wasserbueffel
hueten, Parteizentralen der Cambodian People Party (ja, in Englisch
beschildert!), weite hellgruene Reisfelder, sehr schlichte Tankstellen, und am
Abend bei der Rueckfahrt viele befeuerte Kochstellen auf Lehmoefen entlang der
Strasse. Hier und da brennt eine kleine Oellampe in der Daemmerung, ansonsten
gibt wohl kein Licht, weshalb viele Leute in den Lichtkegeln der
Strassenlaternen entlang der grossen neuen Strasse picknicken. Irgendwie
scheint alles ganz entspannt und happy zu sein, und ich frage mich, bei all den
schlafenden Leuten in Haengematten und sonstwo, die ich am Tage sah, wie dieses
Volk einst so grandiose Bauwerke und Staedte bauen konnte. Der genannte Bergspaziergang fuehrt ueber einen
felsigen Weg zu einem kleinen (zumindest in dieser Jahreszeit) Fluss, wo einst
Eremiten heilige Bilder in die Sandsteine des Flussbettes gemeisselt haben. Die
meisten Abbildungen haette ich wohl uebersehen, haette nicht die niedliche
Parkwaechterin mich willfaehrig rumgefuehrt, wohl auch in Erwartung eines
Trinkgeldes, das ich gern gegeben habe. Erschreckend fuer mich war, wie behände
und schnell sie sich auf ihren Flip Flops durch das Gelaende bewegte, im
Vergleich zu mir - ich konnte kaum mithalten. Danach, im letzten Licht des
Tages, sehe ich mir noch den wohl schoensten aller Tempel an, Banteay Srey,
dessen wunderbare Verzierungen der Legende nach aufgrund ihrer Schoenheit nur
von Frauenhand geschaffen sein sollen. Das will ich gerne glauben. Das alles hier ist, im urspruenglichen Sinn des
Wortes, eine Wucht! Siem Reap Man kann an diesem Ort, der von Touristen aus allen
Ecken der Welt lebt, kaum 3 Meter auf der Strasse gehen, ohne von Tuk Tuk
Fahrern, Massagedamen, Ladenbesitzern oder bettelnden Kindern belaestigt zu
werden, was auf Dauer, durch staendige Wiederholung, schlicht nervt. Den
Kindern haben wir, meine neuen schwedischen Freunde Sven und Victor und ich,
wie gewuenscht Lebensmittel gekauft, die sie aber offensichtlich weitergeben
muessen. Ein hilfloser Versuch des Helfens, sozusagen. Auch an den Tempelruinen
ueberfallen einen Kinder und Frauen mit immer den gleichen Produkten (T-shirts,
Tuecher, Armreifen, Buecher, Nippes, Getraenke), die sie zunaechst
grundsaetzlich zum doppelten Preis anbieten. Nur stumpfesinniges Ignorieren
hilft, ein Blick nur, oder schlimmer: ein Kauf - und man wird die Haendler nicht
mehr los. Die kleinen Maedchen mit Kulleraugen sind professionell trainiert,
Aufmerksamkeit zu gewinnen. Sie saugen es wohl mit der Muttermilch ein. Wenn man die Geschichte umdreht, wird es lustig:
where are you from? What's your name? Lustig sind auch sprachliche Erlebnisse,
wie bespielsweise der Kommentar zum Spiel FC Koeln gegen Werder Bremen, dass
ich zufaellig (!) spaet am Abend live (!) auf meinen Fernsehbildschirm bekomme.
Die meisten Namen kann ich lautmalerisch nicht wiedergeben, so verquer klingen
sie, ausser vielleicht: Clemmen Friss, Huho Allmeeedah, Totem Frinn, Timm
Brusski... Selbst offizielle englische Hinweise und
Informationen sind gespickt mit fehlenden Worten, Verdrehungen oder ein
"u" an der Stelle eines "n". Das erklaert sich mit der
voellig anderen Schrift hierzulande. Der Einkommensquelle des Ortes angemessen,
sprechen die meisten Leute ein kleines Repertoire wichtigster englischer Worte,
darueber hinaus geht meist nichts mehr. Nach den eingangs geschilderten
Beschwerden ist es nur fair, die grundsaetzliche, beruehmte Freundlichkeit,
meist in Form eines schuechtern charmanten Laechelns, zu erwaehnen. Sie gipfelt
in dem lachend nachgerufenen: "Hello, mister, I love you, what's your
name!" Das in diesem Land gern geschlafen oder gedoest wird,
zumal morgens um 6 schon alles summt und brummt, findet nicht nur Ausdruck in
vielen Haengematten und abhaengenden Leuten allerorten, sondern auch in der
bunten Tageskleidung vieler Frauen, die wie ein originaerer Schlafanzug
aussieht. Angkor Wat, Kambodscha, 05.12. Irgendwie hatte ich es schon geahnt: die Orgie der
Tempelruinen in den letzten zwei Wochen war nur ein Vorspiel, denn hier ist das
Finale, die vermutlich groesste Tempelanlage der Welt, ein Erlebnis jenseits
jeder gerechten Beschreibung - Angkor Wat und die umliegenden Tempelruinen des
im spaeten 13. Jahrhundert untergegangenen Khmer Reiches. Vier Tage habe ich
geplant, um mir die wesentlichen Bauten anzusehen, heute war der erste. Fuer
Angkor Wat allein habe ich 3 Stunden gebraucht, und gegen 17 Uhr daemmert es
schon. Gerade noch rechtzeitig schaffe ich es zum Sonnenuntergang auf den Phnom
Bakheng, gemeinsam mit Hundertschaften anderer Touristen. Aber so ein Gedraenge
bleibt in den Folgetagen angenehmerweise aus.
Das Gefuehl der Aufregung und eine gewisse Ehrfurcht
stellt sich ein vorm ersten Besuch im archaeologischen Park. Wozu Menschen
faehig waren und sind! Ebenfalls ein nachhaltiges Gefuehlserlebnis war
"Beatocello" - allerdings ohne Cello: Dr. Beat Richner, ein Schweizer
Arzt, spielt jeden Samstagabend um 19:15 Uhr Cello im Auditorium des
Kinderkrankenhauses, um fuer dieses Spenden einzuwerben. Nur eben an diesem
Samstag nicht, da er verreist ist. Darauf wurde das zahlenmaessig beachtliche
Publikum vorab nicht hingewiesen, denn es wird ein sehr bewegender 30 min Film
ueber die bisher schon gegruendeten Kinderkrankenhaeuser und die verzweifelt
schlecht medizinische Versorgung kambodschanischer Kinder gezeigt, so
dramatisch und doch ohne Uebertreibung, dass es mir sehr an die Nieren geht.
Die Vision, Leistung und Hingabe dieses Arztes sind sensationell und vollendet
menschlich. Wirklich schade, ihn nicht persoenlich zu erleben, aber seine Sache
steht ohnehin weit ueber seiner Person. Luang Prabang, Laos, 02. - 04.12. Ich habe bereits einiges
gesehen in Asien und trotz eines sich wiederholenden Grundmusters die feinen
Unterschiede zwischen Laendern und Staedten wahrgenommen, aber Luang Prabang
ist wirklich aussergewoehnlich, total entspannt. Fuer mich die bisher
chilligste Stadt in Asien. Einzig die Menge an Gasthaeusern, Restaurants und
Laeden mit Kunsthandwerk sind des Guten zuviel - und nehmen trotzdem noch zu.
Dafuer kann man aber toll essen, natuerlich vor allem die spannende laotische
und sogar eine stadttypische Kueche, die sich durch bittersaure Zutaten
differenziert. Und wo ich schon dabei bin: tollen Kaffee und ein herrliches
Bier (Beerlao) gibt es auch. Und natuerlich viel Geschichte, Tempel und
Kunsthandwerk - kurzum, der ideale Ort fuer Tourismus. Gluecklicherweise bleibt
der Charme (noch) erhalten. Mit nur einem ganzen Tag bzw. zwei Naechten bleibe
ich zu kurz, habe aber den Weiterflug nach Siem Reap in Kambodscha schon
gebucht. Davor war ich aber, nach einem Tag mit Museum, Tempeln und Maerkten wie
gehabt, nochmal mit den beiden radfahrenden Jungs aus London aus, was mir fuer
den Folgetag einen schweren Kater verursachte.
02.12.2009
Mekong River
Um 9 am Morgen legt das Langboot ab, von Pak Beng, um in etwa 8 Stunden in Luang Prabang, der alten laotischen Koenigstadt, anzukommen. Die auf dem braunen Wasser dieses epischen Flusses glitzernde Morgensonne schmerzt in den Augen, aber das Panorama ueber den noch dunstigen gruenen Huegeln, den Sandstraenden und karstigen Felsen hier und da ist aber zu schoen, um sich schon dem Reisebuch zuzuwenden. Am Vorabend fielen die etwa 70 Mitreisenden mit mir in dem kleinen Ort ein, um Kost und Logis zu bekommen. Alles ist danach ausgerichtet, genau das zu ueberhoehten Preisen anzubieten. Jeder versucht einen guten Deal zu machen, und da irgendwann spaeter am Abend im ganzen Dorf der Strom ausfiel und das am Morgen andauerte, habe ich mir mit dem relativ teuren Zimmer kein Gefallen getan, obwohl ich zweimal erfolgreich nachverhandelt habe.
Meine Annahme, mit der Pauschalbuchung insgesamt besser zu fahren, hat sich nicht bestaetigt: das Zimmer in der Vornacht war einfachster Standard, mit Gemeinschaftsbad und - toilette im separaten Gebaeude. Die Verpflegung passte sich dem Niveau an, und da wir als Gruppe in einem sehr entspannten Land organisiert wurden, dauerten die Transporte, Pass- und Visaformalitaeten seine Zeit. Kurzum, beim naechsten Mal mache ich wieder mein eigenes Ding. Die Bootsfahrt ist per se auch nicht so romantisch, wie vorgestellt, denn zwei Tage auf engstem Raum, auf harten Bretterbaenken, zu verbringen, ist keine Wonne. Aber die vielen Mitreisenden aus aller Herren Laender mit ihren persoenlichen Geschichten und Plaenen, und das erwaehnte Flusspanorama, das Anzuschauen man nicht muede wird, entschaedigen doch. Und spassig war's am Abend mit den beiden jungen Englaendern, die in 11 Monaten durch Suedostasien und dann zurueck nach London radeln wollen. Nach einem klasse Essen (buffalo laap - gehacktes Rind mit gruenem Gemuese und Reis) und einigen Bieren (das Beer Lao ist echt gut), gab uns ein lokaler Bursche zuerst selbstgebrannten lao lao, laotischen Whiskey, zu trinken, der eher nach hochprozentigem Sake schmeckte, um dann ein paar Zuege aus der Opiumpfeife anzubieten - wie im Film. Das kam natuerlich nicht in Frage.
Auf dem Boot habe ich viel Zeit, mich mit diesem frueher so zerissenen, jetzt kommunistischen Land sowjetischer Praegung und seiner wechselhaften Geschichte zu beschaeftigen, was sehr spannend ist.
So verstreicht Stunde um Stunde, hin und wieder legt das Boot an, wo einfache Huetten aus Bambus im Wald stehen, und nimmt immer mehr Ware und Menschen auf: Frischfisch, Wildschweinkeulen, eine schwere lange Teakbank, einen Hausstand in Kartons, Huehner, Reissaecke - das meiste wird auf dem Dach verstaut. An einer Stelle bieten suesse 5 - 9 jaehrige Maedchen sehr schoene Schals an und verkaufen auch einige. Ein gleichaltriger Junge schaut, auf einem nahen Felsen sitzend, kritisch zu. Eine weitere Abwechslung sind Stromschnellen, die das Boot schwanken lassen.
Am Nachmittag wird es ruhig an Bord, die meisten doesen oder lesen, Unterhaltungen finden nur vereinzelt statt. Ich erdulde den schmerzenden Hintern und denke mal wieder, der Weg ist das Ziel, und hoere Beethoven und Bruch dazu. Noch etwa 3 Stunden...
30.11.09
Abschied aus Chiang Mai
Nach knapp vier Tagen verlasse ich Chiang Mai, weiter Richtung Norden, im Minivan mit 10 anderen Leuten, die ich noch nicht kenne, um in etwa 5 Stunden in Chiang Khong anzukommen, der Grenzstadt nach Laos am Mekong Fluss. Dort uebernachten wir und reisen dann morgens ueber den Fluss nach Laos ein. Danach geht es in knapp zwei Tagen im Langboot den Mekong abwaerts nach Luang Prabang, eine weitere bedeutende Koenigstadt des alten Lanna-Koenigreichs (wie ueberall in der Welt hat hier, in Siam, Indochina und Burma, jede Stadt und jedes Gebiet mal hierhin, mal dahin gehoert). Zwischendurch gibt es eine Uebernachtung in Pak Beng, also an Land. Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit habe ich diesmal eine Tour gebucht, was mir Zeit und Geld spart: die Summe selbst arrangierter Buchungen gleicher Guete waere deutlich teurer und aufwaendiger gewesen. Ich bedaure, die entspannte Stadt Chiang Mai schon zu beschliessen: ich haette locker noch fuer 3 oder mehr Tage Programm gehabt, von Elefantenreiten bis Tiger- und Schlangenfarm, Trekking im Dschungel oder einen Thai-Kockkurs, sogar einen Meditations- oder Massagekurs... Wieder habe ich stattdessen ueberwiegend Tempel, ein tolles Museum (Chiang Mai City Arts & Cultural Center mit der Stadtgeschichte und dem Drei-Koenigs-Denkmal) und Maerkte besichtigt, spottbillige Massagen genossen (soweit meine Unfallfolgen das zuliessen) und gut gegessen (moeglichst lokale Kueche, obwohl sehr Schweinefleich-lastig). Das Nachtleben, durchaus existent, habe ich nur beschnuppert, denn das kann ich ueberall haben und klare Sinne fuer die vielen Eindruecke sind bedeutender. Am Vortag war ich in einem der heiligsten Tempel des Landes, Wat Phra That Doi Suthep, in den Huegeln 13 km westlich der Stadt (Doi Suthep-Pui National Park), begruendet in 1383 durch den Koenig Keu Naone auf Geheiss eines Moenches aus Sukhothai. In der goldenen Stupa wird eine Buddha-Reliquie aufbewahrt, die ein Elefant auf Willen des Koenigs hier einst hinauftrug, um den rechten Ort fuer den Tempel zu bestimmen. An der heutigen Stelle starb der Elefant und wird entsprechend verehrt. Der Tempel ist schoen, imposant und reichlich mit Gold und Buddhafiguren verziert, und es gibt viele Hinweise auf die ortstypische Lanna-Architektur (Pfauenbildnisse, Dachgiebel, fettgesichtige Buddhafiguren). Bei vielfaeltigen Spendenaufforderungen gilt sogar: credit cards welcome! - bei den vielen auslaendischen Touristen durchaus schlau. Daneben gab es den koeniglichen Winterpalast mit praechtigen Gaerten (Phra Tamnak Phu Phing), sowie zwei Wasserfaelle zu besichtigen - alles wieder mit Moped. Also hatte ich reichlich Gelegenheit, das freundlich Thai-Volk beim sonntaeglichen Picknick im kuehlen Wald, Spaziergaengen im Park und beim Vollfuehren heiliger Rituale zu beobachten. Fuer die eingeborenen Huegelstaemme fehlte mir bedauerlicherweise die Zeit. Insbesondere deren Kultur des Opiumanbaus haette mich interessiert - immerhin ist es nicht mehr weit bis zum Goldenen Dreieck noerdlich von hier. Stattdessen habe ich mir am Abend noch das Kneipenviertel in der Naehe der Uni, auch westlich der Innenstadt, angesehen, wo man hervorragend vwerweilen koennte. Beschlossen habe ich den Sonntag mit einem Spaziergang ueber die Sunday Walking Street: die Hauptstrasse der Stadtmitte wird jeden Sonntagnachmittag fuer den Vekehr geschlossen und bis in die Nebenstrassen hinein in einen gigantischen Markt fuer hiesige Handwerksprodukte, lokale Gerichte, Kunstgegenstaende und allerlei Nippes umgewandelt. Nochmal treffe ich zufaellig Tiziano, den italienischen Koch aus Barcelona, nun schon zum vierten Mal. Ueberhaupt begegnet man oft denselben Leuten. Erwaehnenswert ist noch der Besuch des Siam Celadon Tea House vor einigen Tagen. Angezogen von der Ausstellung dieser sehr alten Porzellanmanufaktur (Celadon, blassgruen mit absichtlich gerissener Lasur, urspruenglich aus China und sonst nur in dieser Gegend noch produziert), gerate ich in ein sehr schoenes altes Herrenhaus, gebaut von einem thailaendischen Kaufmann chinesischer Abstimmung, wo im kuehlen Sommergarten Tee aus der Region serviert wird. Wahrlich eine huebsche Oase zum Verweilen, was ich auch tat. Das waere dann auch wieder Thailand, dieses Mal. Ein schoenes, freundliches, aufregendes Land, das natuerlich auch seine Nachteile hat: agressive streunende Hunde, Moskitos ueberall und enervierenden Strassenverkehr. Und, wie andernorts in Asien, die aufdringlichen Taxi- oder sonstwas Fahrer und Strassenhaendler, die menschliche Reflexe ausnutzen, um Aufmerksamkeit zu kriegen: Transport, Nippes, Massagen - es gibt immer was zu kaufen! Da muss man in der Khao San Road in Bangkok nicht nur einmal nein sagen zu den fetten Frauen, die Holzinstrumente, mit denen man Froschlaute machen kann, verkaufen, nein, man wird alle paar Minuten auf's Neue gefragt. Als haette man vielleicht inzwischen seine Meinung geaendert. Der weltreisende Englaender neben mir erzaehlte mir eben, wie sich zwei Weiber dort auf offener Strasse zu streiten anfingen, aber trotzdem unbeirrt weiter ihr Froschquaken produzierten! Aber das verdirbt nicht den Zauber und die Lust, hier zu sein und fuer wenig Geld recht gut zu leben. Wegen des sommerlichen trockenen Klimas mit kuehlen Naechten schlafe ich gut und fuehle mich wohl. Die Schmerzen vom Unfall sind nur noch gering, die Wunden heilen schnell. Erst seit zwei Wochen bin ich auf dieser Reise unterwegs, und doch fast zeitlos. Also, tiefer hinein in die Exotik dieses Landstrichs, auf nach Laos!
27.11.2009
Chiang Mai, erster Tag
Im wohl feinsten Restaurant der Stadt bin ich schliesslich allein, nachdem das elegante aeltere Paar zwei Tische weiter gegangen ist. Ein nach oben offener Innenhof, klassisches Artrium, mit Baeumen, Beeten und Sonnensegel, frisch getuenchten weissen Waenden, die nach unten in chinesischen Porzellanfliesen enden, alle Oeffnungen abgesetzt mit dunklem Holz, laedt ein zum kulinarischen Wunder nordthailaendischer Kueche auf hoechstem Niveau, mit Einfluessen aus Tai Yai (dem hiesigen, ethnischen Shan Volk), Myanmar und dem historischen Lanna-Reich. Leise singt ein guter Tenor vom Band das "Nessun Dorma", angenehmerweise ist es mal nicht Pavarotti. Alles perfekt, nur ein wenig einsam, allein in diesem Tempel der kulinarischen Freuden - das Essen war eine Wucht - aber dafuer muss ich mich weder streiten noch zechen wie ein Kesselflicker! Der Tag war ohne urspruengliche Absicht ueberwiegend auf Gaumenfreuden ausgerichtet. Das Fruehstueck habe ich im empfohlenen Libernard Cafe, deren Cafe Latte wirklich aussergewoehnlich gut war, eingenommen, nur um spaeter fast zufaellig im Siam Celadon Tea House den Tee zu trinken. Kaffee aus der Region, Tee aus der Region und ein exzellentes Dinner hiesiger Art - ein schoenes Gefuehl des Hier-Seins stellt sich ein! Nebenbei habe ich grosse Plaene gemacht und entsprechende Buchungen abgeschlossen, wovon ich zu gegebener Zeit berichte.
26.11.2009
Sukhothai
Nach hunderten von Buddhastatuen und -abbildungen in den vergangenen Tagen hatte ich heute ein Ueberraschungsmoment: etwa 2 km westlich des Historical Park befindet sich eine der vielen Tempelruinen auf einer Anhoehe, so dass man sich mal anstrengen muss fuer die Attraktion - und dann erinnert mich das grosse Buddhastandbild, um 700 Jahre alt, in der Pose der Furchtlosigkeit, d. h. den rechten Unterarm vorgestreckt, die Hand noch oben gerichtet, ploetzlich aufgrund der frappierenden Aehnlichkeit an das Jesusmosaik in meiner Heimatkirche, in dem Dorf, in dem ich zur Grundschule ging. Die Geste der erhobenen Hand, der guetige Ausdruck im Gesicht, die erhabene Groesse - schon als Kind erschien mir das Bildnis in Traeumen. Und nun hier, meiner Haertnaeckigkeit, alles sehen zu wollen geschuldet, schliesst sich ein Kreis.
Die Hauptstadttournee ins geschichtliche Thailand, von jung nach alt, ist damit vollendet, denn Sukhothai wird allgemein als erstes Koenigreich von Siam wahrgenommen, auch wenn das faktisch nicht ganz korrekt ist. Neun Koenige regierten fuer 200 Jahre, dem "goldenen Zeitalter der thailaendischen Zivilisation", ab 1238 AD von hier das Land, bis Ayutthaya 1438 schliesslich Sukhothai abloeste.
Einen ganzen Tag habe ich im Historical Park in Old Sukhothai zugebracht, zunaechst zwei Stunden im Museum. Dort werden Artefakte aus den Ausgrabungen seit den 1950er Jahre ausgestellt, ein Ueberblick der gesamten Anlage vermittelt und die Entwicklung des buddhistischen Glaubens in Thailand erklaert. Wichtigstes Ausstellungsstueck ist wohl die Nachbildung der in Stein gehauenen Texte des grossen Koenigs Ramkhamhaeng von 1283, was als Ursprung der Schrift und Literatur des Landes gilt. Er ist denn auchNamensgeber des Museums.
Danach besichtige ich unzehlige Tempelruinen, grosse und kleine, aeltere und renovierte, bei feinstem, trockenen Sonnenwetter - mit einem Moped, denn der schoene Park ist weit. Auch duftet es ueberall nach Blumen und Sommer. Und schliesslich verstehe ich das bauliche Grundmuster aller Ruinen aus Chedi (Reliquienturm in Glocken- oder Lotusform), Viharn (Buddhatempel) und Ubosoth (Versammlungshalle - schoener Name, nicht?), und fange an, die kleinen Unterschiede wahrzunehmen. Die begleitenden Tafeln, auch in Englisch, sind zwar gut gemacht, doch duerftig im Informationsgehalt. Ich will hier nicht mit Einzelheiten langweilen, aber ich bin sehr froh, hergekommen zu sein und diesen wunderbaren Park zu besichtigen. Wie schon in Ayutthaya kann man sich auch hier die Groesse und Pracht frueher Koenigreiche gut vorstellen. Und die vielen, teilweise sehr grossen Buddhastatuen machen schwer Eindruck.
Unterwegs treffe ich Tiziano wieder, den italienischen Koch aus Barcelona, der mich schon in Ayutthaya gesehen hatte. Wir verabreden uns am Abend auf ein paar Bier. Er hat einige Schlangen am Tag gesehen (meist ueberfahrene) und fotografiert, ich nicht eine einzige.
Ansonsten ist von hier zu berichten: das Hotel war auch hier sehr schoen, abermals vorwiegend in traditioneller Holzbauweise und mit freundlichem Service, insbesondere Shuttledienste. Und ich ass noch die beruehmte hiesige Nudelsuppe mit Huhn, goo-ay dee-o sukohtai, von der alten Jay Hae persoenlich, was ich lange suchen musste. Aber es hat sich gelohnt. Der Sohn des Hoteliers bringt mich mittags, nach erneutem Verbandwechsel in einer Klinik, zum Bus Terminal. Er spricht sehr gutes Englisch, denn er war ebenfalls Austauschschueler in den USA, mit dem Rotary Club (allerdings mehr als 15 Jahre nach mir...). Weiter geht die Reise nach Norden: Chiang Mai!
24.11.2009
Ayutthaya, ehemalige Koenigsstadt Siams
Auf den ersten Eindruck ist Ayutthaya etwas langweilig, oder besser: nicht so spektakulaer wie erwartet. Das aendert sich aber bei naeherem Hinsehen. Denn es handelt sich um nichts weniger als die einst sagenhafte Hauptstadt Siams, dem Venedig des Ostens, von deren Pracht europaeische Besucher des 17. und 18. Jahrhunderts berichteten: nie sah man demnach prunkvolleres....
Nach Ankunft mit dem Zug um drei Uhr am Nachmittag geniesse ich kurz den Bahnhof mit seinem morbiden Charme in der gleissenden Nachmittagssonne, um danach unter Vermeidung der aufdringlichen Transporteure zu Fuss bis zum Fluss zu laufen, wo mich eine Faehre fuer fast nichts ueber das schmutzige Wasser auf die Insel der drei Fluesse, die das Zentrum der Stadt und ihren historischen Schwerpunkt ausmacht, zu bringen. Ich setze meine Sonnenbrille auf, hoere Musik von Moby dazu und laufe beschwingt samt Rollkoffer durch die Strassen zu meiner Unterkunft. Hier wartet die erste schoene Ueberraschung: das Luang Chumni Village (www.luangchumnivillage.com) ist ein ruhiges Eiland mitten in der Stadt, in einem tradionellen Thai-typischen Holzhaus. Ich habe mich mal von Bewertungen im Internet leiten lassen, was eine gute Idee ist. Ake, der Eigner, ist ein sehr freundlicher Mensch mit recht gutem Englisch (er hat 5 Jahre in Ohio studiert) - sofort haben wir ein Gespraech. Das Zimmer ist einfach schoen, eine gefuehlte Zeitreise, staende nicht unnoetigerweise ein Fernseher im Zimmer. Nur das Schlafzimmer ist in sich geschlossen, Wohnzimmer und Vorraum sind luftig offen, das Bad eine Treppe tiefer.
Mit dem Fahrrad, dass mir Ake zur Verfuegung stellt, mache ich erste Entdeckungstouren, die im Wesentlichen diese Ergebnisse ueber zwei Tage bringen: allerlei Maerkte mit tollen kulinarischen Koestlichkeiten, Elefanten hier und da, und Ruinen an allen Ecken, die Trier als vergleichbare Stadt blass aussehen lassen. Aber ich muss fair bleiben: dieses Koenigreich hatte seine goldene Zeit seit der Gruendung durch Koenig Phra Chao U-Thong erst 1351, blieb dann aber fuer 417 Jahre tonangebend. Als koenigliches wie religioeses Zentrum (Buddhismus) wurde es einer der bedeutendsten Handelsplaetze Asiens, mit diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen nach China, Japan, Holland, Portugal, England und Frankreich. Der Hoehepunkt war die Regierungszeit von Koenig Narai dem Grossen, 1656 bis 1688. Nach diversen Kriegen und Thronfolgequerelen machten die Burmesen in 1767 schliesslich die Stadt grossteilig dem Erdboden gleich, was folglich die Verlagerung der Hauptstadt nach Bangkok verursachte. Die aktuelle Chakri Dynastie vom allerseits gehuldigten und sehr beliebten Koenig Bhumibol und seiner Koenigin Sirikit geht auf dieses Ereignis zurueck.
Am ersten Abend radle ich kreuz und quer herum, esse Nudelsuppe mit Huhn und andernorts Reis mit noch mehr Huhn, superscharf, und spuele alles mit Singha Bier hinunter. An einigen Plaetzen finden Festivitateten statt, deren Anlass ich wegen sprachlicher Barrieren (denn mein Thailaendisch ist eher schwach) nicht ergruenden kann.
Mittels oertlicher Museen bereite ich mich am Folgetag auf die Besichtigung der Ruinen vor, von denen es auf dergrossen Insel und angrenzend reichlich gibt. Das Nationalmuseum beherbergt aus den Ruinen gegrabene Schaetze und Reliquien, zumindest das, was von Eroberen und Raeubern zurueck gelassen wurde: viel Goldschmuck, unzaehlige Buddhafiguren, Porzellan und Tongefaesse.
Eine erwaehnenswerte Abwechslung bildet das Lunch von den Strassenstaenden vorm Museum: Reis in geklammerten Bananenblaetter, mit gezuckertem (!) Fisch, danach eine Nachspeise auf Kokosbasis, dazu der Saft einer gekuehlten und frisch aufgeschlagenen Kokosnuss.
Im Historical Study Center hatte ich mir schon Modelle der Stadt und die Darstellung traditioneller thailandischer Lebensweise angesehen. Den spaeten Nachmittag verbringe ich dann bei einem grossen Buddha Tempel (Viharn Monkholbopit), wo ich wieder von Asiaten fotografiert werde ("I'm not Bruce Willis, he just looks like me, okay!"), und den Ruinen des Tempels im ehemaligen Koenigspalast (Wat Phra Sisanpetch). Dazu werde ich spaeter einige der Fotos hochladen, denn beschreiben kann man das nicht - eben doch spektakulaer und alles andere als langweilig. Am Abend gerate ich wieder in einen Strassenmarkt, der aus zig Garkuechen besteht. Nach intensiven Studium der angebotenen Speisen stelle ich mir ein mehrgaengiges Menue fuer 2 Euro zusammen, eine Wonne!
Danach, in der eher schwach belebten Strasse der Gaestehaeuser und der von Touristen frequentierten Bars, die Naresuan Soi 2, spricht mich eine etwas aeltere Hollaenderin (Margret aus Groningen) freundlich an, doch an ihren Tisch zu kommen statt allein zu sitzen, wo sie mit einer ebenfalls aelteren Amerikanerin (Nancy aus Santa Rosa, Kalifornien, Therapeutin fuer drogenabhaengige Jugendliche) Cocktails trinkt. Ich bleibe nicht lang, denn nach den Nachtschwaermereien in Bangkok habe ich keine Lust, mich schon wieder zu betrinken. Die Unterhaltung war lebhaft, und ich wundere mich zusammenfassend nur, welche Daemonen viele Mitmenschen so verzweifelt bekaempfen...
Am zweiten Tag meiner Ankunft breche ich erst mittags mit dem gemieteten Moped auf, da sich nach dem Fruehstueck ein angenehmes Gespraech mit dem Paar aus der Schweiz ergab. Auf der Suche nach dem Bus Terminal, circa 4 km ausserhalb, um ein Ticket nach Sukhothai am Folgetag zu kaufen, stuerze ich sehr ungluecklich auf der Strasse. Mehr dazu spaeter. Nach aerztlicher Versorgung und Erwerb des Bustickets fahre ich etwas benommen und leidend zur Tempelruine Wat Maheyong, etwas ausserhalb der Stadt. Neben einigen weiss gekleideten Meditationsgaesten vom angrenzenden Zentrum bin ich der einzige Besucher in dieser ueberraschend friedlichen und stillen Anlage mit beeindruckenden Chedis und Hallen, mitsamt schattigen Baeumen und Vogelgezwitscher an diesem wundervoll sonnigen Nachmittag. Ein einziger Europaeer meditiert abseits der anderen. Wir bleiben schliesslich allein zurueck, und als er offensichtlich geendet hat, spreche ich ihn an, da mich das Meditationszentrum interessiert. Siehe da: der Mann kommt aus Erfurt, hat bis vor 5 Jahren fuer die Commerzbank gearbeitet und verdingt sich seither als Tauchlehrer auf Koh Samui. Sehr freundlich und geduldig beantwortet er meine Fragen, gibt Informationen und zeigt mir das Zentrum samt Schlafsaal. Manche Zufallsbegegnungen sind einfach bereichernd. Wie getrieben flitze ich danach von Ruine zu Ruine, selbst im Dunklen noch, wenn die Beleuchtung der Grandezza des Vergangenen noch den herrlichsten Glanz verleiht. Vor dem geistigen Auge entsteht dann das gesamte Bild dieses sagenhaften Koenigreichs mit all den Tempeln und Palaesten in Gold und kraeftigen Farben...
Am Abend trinke ich ein Bier als Aperitif, nochmal mit Nancy, die ehrliches Mitgefuehl fuer meine dramatisch verbundenen Verletzungen zeigt, informiere dann den Verleiher persoenlich ueber die Schrammen am neuen Moped (wofuer er mir letztlich 40 Euro berechnet) und muss dann lange suchen, um noch etwas Essbares zu kriegen.
Zum Schluss ein letztes Chang (= Elefant) Bier, um vorm Schlafengehen noch ein paar Schmerztabletten runter zu spuelen, die die freundliche Frau Doktor mir am Mittag wohlmeinend mitgegeben hat, nachdem ich meinen Namen und Adresse zweimal aufgeschrieben hatte, in meinem laedierten Zustand. Ich frage mich noch, wozu, denn ich habe die paar Euro fuer das Wundensaeubern und Verbinden sofort in bar beglichen. Denn es ist schliesslich, nach aberwitzigen Manoevern auf Bali und Java, nun doch geschehen: heute habe ich einen Sturz mit dem Moped hingelegt und an meiner rechten Hand und am rechten Bein heftige Schuerfwunden und auch einige Prellungen abbekommen.. Da war wieder so ein voellig unnoetiger hump (Verkehrsentschleuniger), sehr unauffaellig, auf freier Strecke, den ich zu spaet gesehen habe. Guenstigerweise war eine Hospitalstation gleich in der Naehe, und die Thais waren sehr freundlich und hilfsbereit. Trotzdem, das Ganze verdirbt schon die Laune, denn es tut verdammt weh.... Dennoch setze ich mein Programm unbeirrt fort und reise also weiter nach Sukhothai, fuer 2 Naechte.
21.11.09
Zugfahrt nach Ayutthaya
Das
Glueck ist mit dem Gelassenen: durch die lange Nacht und in der Folge
verkateter Muedigkeit komme ich mittels U-Bahn erst am spaeten Mittag
im Hauptbahnhof Hua Lamphong an. Aber der naechste Zug nach Ayutthaya,
ca. 85 km noerdlich, geht in 5 Minuten, und dann wohl lange kein
weiterer. Dafuer gibt es leider keinen Expresszug mehr, aber hey, wenn
ich etwas habe, dann Zeit, und kann also die zwei Stunden durchs Land
zuckeln. Das Ticket ist schnell gekauft, Plattform 7, und schon sitze
ich in einem Zug, der so charmant alt und verranzt ist, dass dem
langsam Reisenden warm ums Herz wird. Die gelben Holzbaenke sind hart
und gut besetzt, alle Fenster ganz heruntergelassen, und die einzigen
Anzeichen der Neuzeit sind kreisende Ventilatoren an der staubigen
Decke, Neonlampen voller Spreu und Nichtraucheraufkleber. Gemaess dem
von Millionen Reisenden abgeschliffenen Holzfussboden und den
staehlernen Gepaecknetzen ist dieser Waggon mindestens 70 Jahre alt.
Dicke Frauen laufen rufend mit Koerben voller abgepackter Speisen und
Getraenke durch die Gaenge, waehrend draussen die verarmten Bezirke
Bangkoks vorbeiziehen, im Wechsel mit nagelneuen, neoklassischen
Appartmentanlagen. Dieses wunderbare Gesamterlebnis kostet ein Drittel
Euro, fast die Haelfte der 10 minuetigen Fahrt mit U-bahn. Es steigen
immer mehr ein und kaum jemand aus. An den Stationen, unter
Wellblechvordaechern, sind Sitzreihen von Plastikstuehlen aufgestellt,
die merkwuerdigerweise zum Zug hin ausgerichtet sind, als waere die
Zugein- und Ausfahrt ein Theater. Dazu haben wir heute feinstes Wetter,
wie ein mitteleuropaeischer Sommertag. Gemaess Reisefuehrer ist diese
Jahreszeit die klimatisch beste in Thailand. Eben faehrt der Zug
langsam wieder an, und gedankenlos schaue ich das schoene Maedchen an,
dass neben dem Zug her und dem Ausgang zulaeuft. Auf ihrem weissen
T-shirt erkenne ich ein Bild von Holly Golightly (Audrey Hepburn in
"Breakfast at Tiffany's"), was mich freut. Ihr maennlicher Begleiter
sieht mich, laechelt und macht im letzten Moment zum Gruss ein
V-Zeichen. Nachtschwaermer
Bangkok in der Nacht, Sperrstunde, also nach 2 Uhr in der Fruehe. Eben noch legte Helen aus Hong Kong auf im coolsten Club der Stadt, der wahren I-Disco, denn das Bed Supperclub in der Soi 11 sieht aus, als haette Steve Jobs eine feuchten Club-Traum gehabt und in die Wirklichkeit umgesetzt. Ein komplett weisses, ueberdimensioniertes Plastikgebilde auf Stelzen, mit einer Zugangstreppe an der Seite. Drinnen zwei Abteilungen, eine schwarz, eine weiss., beide cool. Ich habe hier im Juni spontan Freunde gefunden, einige Frauen, anstaendig und nur auf der Suche nach Party, wie wir alle, in einer bacchanalischen Nacht. Jetzt haben wir wieder angeknuepft, und es war gegen alle Naturgesetze keine Enttaeuschung, sondern erneut ein erfreuliches Fest.
Nun aber ist Sperrstunde, alles vorbei, dabei sehe ich noch die zierliche Helen die Turntable bewegen und Knoepfe bedienen, dass alles manisch zappelte und zuckte, als folgten wir einem archaischen Ritus. Auf der Ballustrade tanzten Frauen, so schoen und grazil, so elegant und doch verrucht, dass das Anschauen schon Suende war. Natuerlich wussten sie das. Die erstaunlich attraktiven Ladyboys brachten jede Geste mit Freude zum Exzess, was eine vermeintlich letzte Ernsthaftigkeit aufloeste. Die weiblichen Bedienungen rannten herum in hellgruenen Pettycoats, was auch ein schoener Witz war. Ach, Bangkok, nur hier ist reiche kulturelle Historie, brutaler Ueberlebenskampf, tierische Schoenheit und sexuelle Vergnuegungssucht so nah beieinander und formt eine Symphonie fuer aller Sinne.
Und dann geht das Licht an und spuckt die Nachteulen und knapp bekleideten Maedchen in die helle Strasse. Letze, schnelle Verabredungen fuer die Nacht, nur um nicht allein oder umsonst geschmueckt zu sein, werden geknuepft, koste es was, es wolle. Dann wird eventuell noch gegessen am mobilen Essstand an der Strassenecke, ein letztes Aufgluehen der geschmueckten Weiblichkeit, das finale Wetterleuchten vor dem endgueltigen Nachhausegehen, wo noch manche Enttaeschung wartet, sei es der Trunkenheit zuviel oder der gepushten Brust zu wenig. Denn am Ende war alles einmal mehr fuer viele ein Versuch, dem eigenen Sein zu entfliehen, nur fuer ein paar Stunden, und sich den Lebensfreuden hinzugeben wie schon im alten Rom - nur um dann verdammt ernuechtert zu erwachen. Nicht schlimm, denn morgen oder uebermorgen versucht man es wieder. Der Lauf der Dinge, in der Stadt der Engel noch mehr als andernorts.
Die Muellmaenner sind jetzt, nach 3, unterwegs mit gruenen Trucks, die weisse Blinklichter auf dem Dach haben, und sammeln die schwarzen Saecke ein. Bald gehen jetzt auch die Strassenlichter aus. Wer jetzt kein Maedel hat, sucht sich keines mehr, sondern wird wachen, sehen und lange Texte schreiben. Und wandern in den hier und da stinkenden Gassen und sich des entspannten Daseins freuen.
20.11.09
Bangkok, reloaded
Nachdem ich aus Java am 19.10., einem Montag, nach Singapur zurueck gekehrt bin, um mit Aaron das Konzert der New York Philharmonic in der Esplanade anzusehen (Brahms und Mahler, sensationelles Konzert), habe ich einige Wochen in Singapur zugebracht und die tollen Erlebnisse aus Yokyakarta nachwirken lassen. Insbesondere die Besichtigung des Sultanspalastes, des groessten buddhistischen Tempels der Welt in Borobudur und dem hochklassigen Ballett der Ramayana vor der Tempelkulisse in Prambanan waren wirklich aussergewoehnlich. Es ist gut, hin und wieder in Singapur in einer Normalitaet und Alltaeglichkeit Luft zu holen.
Nun aber wieder Bangkok, seit vergangenem Montag, schon fuenf Tage also, um erneut einzutauchen in die Stadt der Engel, die ihren Namen dem Oliven-Pflaumbaumgarten (Baang Makawk) auf dieser Seite des Chao Phraya Flusses schuldet. Weil sich die Herrschenden entschieden, die Stadt aus Schutzgruenden gegen die burmesischen Eroberer, die schon die sagenhaft schoene, fruehere Koenigsstadt Ayutthaya auf dem Gewissen hatten, auf die gegenueberliegende Flussseite zu verlegen. Das war am 6. May 1782. Heute wohnen hier ueber 6 Millionen Gluecksritter.
Diesmal gehe ich es leichter an, ohne uebertriebenen Besichtigungsdrang. Einfach hier zu sein und die gegensaetzlichen vibrations aufnehmen ist schon genug. Morgen aber geht es mit dem Zug nach Norden, zunaechst nach eben jenem Ayutthaya oder was davon uebrig ist. Anschliessend beabsichtige ich Sukhothai zu sehen, die quasi erste Koenigsstadt Siams. Danach soll, fast ganz im Norden, Chiang Mai folgen.
16.10.09
Java
Der Tee tut gut und wird in der “Exekutif”-Klasse am Platz serviert, eine der Annehmlichkeiten neben der Aircondition und etwas breiteren Sitzen auf der Zugfahrt von Bandung nach Yokyakarta auf Java. Ein schöner alter Zug: im letzten von acht Waggons, davon zwei der ersten Klasse, die im Gegensatz zur zweiten voll ist – im letzten Waggon kann man auf die Schienen blicken, die wir hinter uns lassen. Der Kellner im Speisewagen fegt den Boden und das so Gesammelte zur offenen Tür hinaus. Die Toiletten lassen alles auf die Schienen durchfallen. Die Strecke kann nicht länger als 400 Kilometer sein und dauert dennoch ganz 8 Stunden. Nach einer ersten Verzweiflung nachdem ich feststellte, dass es keine Flugverbindung gibt, habe ich mich mit dem Gedanken einer langen Zugfahrt angefreundet und bin mittlerweile froh darüber, so zu reisen, wo schon zwei Stunden vorbei sind seit unserer Abfahrt aus Bandung. Dass die Fahrt nur etwa 20 Euro kostet, wofür ich neulich noch nicht einmal von Bremen nach Hamburg fahren konnte, verdient Erwähnung.
Gerade haben wir unseren ersten Halt und lautes Kindergeschrei hebt an. Die mitreisenden älteren Semester aus England und den USA, anfänglich noch lächelnd kurios was denn da los sei, wenden sich leicht genervt ab, nachdem sie die Scharen von bettelnden Kindern an den Zugtüren als Ursache des Lärms ausmachen. Eine Frau soll ihnen etwas gegeben haben, was der Sache nicht zuträglich ist.
Von derlei Irritationen angesehen, ist es ein Genuss, durch die Landschaft mit Dörfern, weiten grünen Reisfeldern, vulkanischen Bergen und Schluchten zu reisen und weiterhin dieses Land in seiner herben Schönheit einzusaugen. Und auch viel entspannter als gestern, wo ich den Tag der öffentlichen Transportmittel zelebrierte, also mit Bussen aller Groessen und Klassen vom schönen alten Hotel Savoy Human im Zentrum Bandungs, zu Recht das Paris von Java genannt, bis zum Kraterrand des Vulkans Tangkuban Perahu gelangte. Eng in viel zu kleine Sitze gepfercht, musste ich wieder einmal feststellen, dass Groessen eben nach den kleineren Asiaten ausgelegt sind. Macht auch Sinn, war ich doch der offensichtlich einzige Fremde im Bus. Das Verkehrschaos, die Hitze und unbequeme Lage ertrug ich gern, untermalt mit Strauss’ „Vier letzte Lieder“, habe ich doch genau diese Intensität des Erlebens gewollt auf dieser Reise über Java und bei meinem ersten Stopp in Jakarta mit guten Hotels und Restaurants kaum bekommen.
Java: das löste wie Sumatra in meiner Kindheit das damals noch unbestimmte Gefühl der Exotik aus, des Fernen und Fremden, seinerzeit Unerreichbaren. Seit ich im Juni im aeussersten Westen Balis die Sonne hinter Java untergehen sah, wollte ich diese Hauptinsel des indonesischen Archipelagos, das frühere Nusantara, Heimat des Grossreichs der Majapahit, bereisen. Man unterschätzt die Groesse, die der Floridas oder Englands entspricht und mehr als der Hälfte der 240 Millionen Indonesier Heimat ist, davon allein 19 Millionen in Jakarta (fast soviel wie in ganz Australien mit 21 Millionen Einwohnern!). Dabei nimmt man Indonesien naturgemaess als Ganzes wahr, eine Ansammlung Zig-tausender Inseln, aber schon auf Java allein wird die Vielfalt der Völker, Kulturen und Sprachen deutlich, was durch die Aufteilung in West-, Zentral- und Ostjava sowie den Zentren Jakarta und Yokyakarta nur unzulänglich reflektiert wird.
Aber nun gibt es erstmal noch ein Glas Tee!
Einiges später, mit noch einer Stunde bis zum Ziel, wird mir klar, dass ich wieder zu schnell reise: Landschaft und Dörfer fliegen vorbei, und an der offenen Tür stehend sieht man spielende Kinder und Leute bei der Arbeit auf dem Feld – so wie es schon immer war und fast überall außerhalb der Städte auf der Welt ist. Doch die Zugsirene, die an jedem ungeschuetzten Übergang und damit häufig Signal gibt, mutet schon wie das Signal einer vergangenen Zeit an.
Yokyakarta in Zentraljava ist das kulturelle Zentrum: Gamelan Musik, Batik, Puppen aus Holz oder Leder, letztere für Schattenspiele, und eine Vielfalt von religiösen Errichtungen wie Paläste, Tempel und heilige Stätten erwarten mich dort. Nach Jakarta, Bogor und Bandung die vierte Station dieser eher spontanen Reise, die vor sechs Tagen, aus Singapur kommend, ihren Anfang nahm.
Jakarta
Zweimal war ich beruflich in Jakarta, die Flugdauer beträgt schließlich ca. 100 Minuten pro Strecke. Die Wahrnehmung daraus war die einer hässlichen und chaotischen Stadt, mit viel Armut neben zweifelhaftem Reichtum, einigen prächtigen Plätzen und Strassen und im übrigen urbanem Wahnsinn. Diese Wahrnehmung hat sich nach drei Nächten dort nicht groß verändert, hat aber eine symphatischere Komponente bekommen. Denn das alte Batavia nördlich der Jalan Sudirman und Jalan Gajah Mada, mit seinem zentralen Platz Taman Fatahillah, ist durchaus charmant , vor allem durch das wundervolle , sehr koloniale Cafe Batavia und dem gegenüberliegenden historischen Museum. Hier wurde ich den aufdringlichen Herrn Janzen nicht los, der wie erwartet nach seinen vielen wirren Geschichten, teils persönlich, teils historisch, in allerlei Sprachen, primär Englisch, Holländisch und deutsch, durchaus unterhaltsam erzählt, nach meiner freiwilligen Gabe, die für hiesige Verhältnisse durchaus üppig genannt werden darf, rundheraus nach mehr verlangte. Da er nach eigenem Bekunden schon Königin Beatrix und sogar Helmut Kohl durch die Hallen geführt hat, gilt er dann wohl als der Oberfremdenfuehrer – wie gesagt freiwillig.
Wo sonst alles nur Leben an der Strasse ist, glänzt der zentrale Platz hier mit munterem sozialen Getue und tags wie abends mit allerlei Menschenvolk. Die beiden weiteren Museen, Puppen und Kunst, sind zwar sehenswert, aber nicht sonderlich aufregend. Um so mehr dafür die Bar an der Ecke, die aber durch die Ferne vom eigentlichen Zentrum nicht so stark frequentiert wird. Der weiter nördlich liegende Hafen und der Freizeitpark Ancol, d. h. in meinem Fall der Kunstmarkt, sind ebenfalls sehenswert und gleichermaßen nur begrenzt aufregend. Spannender sind dann doch die Clubs in verschiedenen Hotels oder Malls. Im mir empfohlenen „Red Square“ haben wir getanzt und gefeiert, dass es für weitere Etablissements zeitlich nicht mehr reichte. Abgesehen davon hat mich das Dinner im „Harum Manis“ begeistert, wo ich schon mal mit Kunden zum Lunch war – exzellente lokale Küche! Am Abreisetag schließlich das unvermeidliche „Monas“, das Nationalmonument – von dem zu späterer Zeit zu berichten ist...
20.08.2009
Bevor ich am kommenden Samstag nun fuer ueber 4 Wochen nach Deutschland reise, habe ich noch einige Aenderungen vorgenommen und vor allem Fotos eingestellt. Das ist ein aufwendiges Unterfangen und wird daher erst nach und nach vervollstaendigt. Aktuell habe ich eine Auswahl der vielen Bali-Fotos hochgeladen, die meine Beschreibungen abrunden sollen. Aus Gruenden des Leseflusses habe ich entschieden, eine separate Rubrik einzurichten. Der viele positive Zuspruch zu meinen Berichten schafft mir Motivation, mehr zu schreiben und diese Seiten weiter auszubauen.
13.08.2009
Nun also zurück in Singapur finde ich wieder in meine hiesige Routine mit Sport (Laufen, Radfahren und meine neue Freude: zweimal wöchentlich im Gym mit Kumpels), Stunden am Schreibtisch und Teepausen. Am Freitag vor zwei Wochen (31.08.) haben Martin und ich gleich mal einen Grillabend gegeben, und am ersten Sonntag nach meiner Rückkehr ging’s mit Andres Boot raus zum Segeln vor der Suedkueste, was samt Schwimmen und Picknick an Bord viel Spaß gemacht hat. Auch das letzte Wochenende war mit Grillfesten, Treffen der Internations Community (ein Netzwerk für Expatriates) und den Feierlichkeiten zum National Day Singapore (Unabhängigkeitstag, 09.08.1965) gut angefüllt. Ein weiteres Highlight war am vergangenen Montag das Konzert der Nine Inch Nails im Fort Canning Park, das einzige in Singapur ihrer großen Abschiedstournee. Vor einigen Monaten spielte an gleicher Stelle The Prodigy, was schon einigermaßen harte Musik war, aber dieses Konzert war das bisher härteste – aber sehr genial. Zwischendurch gab es immer wieder klavierbetonte Balladen. Da zig Leute das Konzert mitgeschnitten haben, gibt es auf Youtube unter der Suche „Nine Inch Nails, Singapore“ einiges zu sehen.
An diesem Wochenende wollte ich zunächst nach Bali, aber wegen gestiegener Kosten und mangels adäquater Unterkunft habe ich für Jakarta optiert – aber eine leichte Grippe, die erste seit langem, hat das bis jetzt verhindert. Dadurch habe ich aber Zeit, noch vor meiner Reise nach Deutschland Ende August einiges zu erledigen. Und mit meinem neuen Iphone zu spielen, das ich aus Melbourne mitgebracht habe, da es hier vergriffen ist. Die technischen Moeglichkeiten sind unglaugblich vielseitig und praktisch, weshalb man sich auch sehr lange mit dem Ding beschaeftigen kann...
30.07.2009
Nun habe ich schon das zweite Mal meinen Aufenthalt verlängert, denn es gibt so viel zu sehen und zu lernen, dass die geplante Zeit nicht ausreicht. Und da ich mental derzeit eigentlich nirgends und überall zuhause bin, entscheide ich meine Bleibe eher spontan, was Luxus und Fluch gleichermaßen ist. Das ist gleich dem neuerlichen Phänomen der extrem verengten Bedeutung von Wochentagen: die einzigen Signifikanzen liegen nun in meinen Reisetagen und in den Öffnungszeiten von Läden (eine der wenigen Nachteile von Melbourne, aber vielleicht bin ich durch Singapur verwöhnt).
In meinem neuerlichen Lieblingsrestaurant, dem "Ladro" in der Gertrude Street, Fitzroy, bin ich zur Abwechslung mal allein zum Dinner, da die Menschen, mit denen ich hier zu tun habe, ihren eigenen täglichen und sozialen Stundenplänen unterworfen sind. Das Viertel um Brunswick St und Gertrude St ist so wunderbar europäisch und kosmopolitisch, mit genau der zahlreichen Art von Cafes, Bars und Restaurants, die allesamt das Prädikat "hip" verdienen. Allerdings wird auch das elegant Subkulturelle irgendwann austauschbar, denn ich könnte ebenso gut irgendwo in Berlin oder Zürich sein.
Aber vieles ist doch nur hier zu haben, wenn auch mitunter temporär: die große Dali - Ausstellung, zu meiner Überraschung ganz anders als jene, die ich 1988 in Stuttgart gesehen habe, heute die Ausstellung über Leben und Untergang in Pompeji, mit der ich mich sehr intensiv beschaeftigt habe. Vor allem aber meine wunderbare Entdeckung gestern: der dritte Stock unter der Kuppel der Victoria State Library, dem La Trobe Reading Room, ein wirklich ehrwürdiger Ort des Buchs. Zufällig fand ich beim Gang durch die heilige Rotunde einen wohl berühmten australischen Dichter, Henry Lawson, denn seiner Bücher sind viele, und ein sehr schönes Gedicht von ihm ("The Two Poets", s. u.). Und als ich den Raum mit den alten Holztischen und -stühlen schon verlassen will, liegt auf einem Tisch ein neues Buch über alte Gebäude in Melbourne, was mich für eine weitere Stunde fesselt, so wunderbar zeitlos und doch umweht von würdevoller Geschichte.
"A Fantasy of Man", Henry Lawson, Complete Works 1901 - 1922
The Two Poets
Two poets were born where skies were fair,
To live in the land hereafter;
And one was a singer of sorrow and care,
And one was a bard of laughter.
With simple measure and simple word,
The feelings of mankind voicing -
And light hearts listened and sad hearts heard,
And they went on their way rejoicing.
The glad rejoiced that the world was gay -
Who took no thought of the morrow -
And it ever has lightened the sad heart's way
To hear of another's sorrow.
The poets died while none were aware,
(For no one could see the token),
That light of heart was the bard of care,
But the heart of the other was broken.
Great Ocean Road, 25.07.
Die massiven Naturwunder bei Alice Springs: Uluru, Tjuta Kita und King's Canyon, reichen eigentlich für eine lange Zeit, weil sie einmalige Erlebnisse sind. Trotzdem mieten wir wieder ein Auto und fahren zu fünft raus zur Great Ocean Road, westlich von Melbourne. Entlang der kurvenreichen Strasse gibt es so viele schöne Panoramen, dass es schon fast ermüdend ist. Und trotzdem steht der Mund wieder weit offen mit Erstaunen, als wir zum Sonnenuntergang gerade noch rechtzeitig die 12 Apostel erreichen. Weitere Highlights waren ein sehr guter Cafe latte zum Fruehstueck auf einem Weingut, ein sonniges Lunch in Lorne und die Wale vor der Kueste. Von der nächtlichen Rückfahrt sind noch der Besuch einer einsamen Bar mit kaputter Musicbox, die den gewählten Song von Linkin Park wie ein Fanal der Hölle ausspukt, und das gut besuchte Restaurant mit dem im Vergleich zur Stadt deutlich unterschiedlichen Typus Menschen erwähnenswert.
St. Kilda, 27.07
Als ich in der Mittagszeit mit der Straßenbahn ankomme, regnet es heftig und mit kurzen halbwegs trockenen Intervallen. Ein wenig ärgerlich, da ich aufgrund des schönen Wetters in der Stadt beschlossen habe, herzukommen. Aber auch ohne Wetterkomponente bleibt der Eindruck hinter den Erwartungen zurück: obwohl nicht unsympathisch, fehlt dem Ort irgendwie das Seebad-Flair. Nur der lange, seit hundert Jahren existierende Pier mit dem in 2004 nach einem Brand wieder errichteten Kiosk vermittelt jene eigenwillige Melancholie, die ein offenes Meer unter grauem Himmel oft garantiert. St. Kilda ist die Spielwiese Melbournes und war dieses vor allem im 19. Jahrhundert. Zwei Strassen, Fitzroy St mit der Esplanade und Acland St, machen den Ort im Wesentlichen aus. Der Luna Park und der große graue Kasten des Palais Theaters, in ihrer kolossalen Verlassenheit, unterstreichen eine verlorene Mondäne. Aber ich bedaure nicht, hergekommen zu sein: allein die Konditoreien in der Acland St sind ein Besuch wert, insbesondere die Mandelmakronen im Cafe Le Bon. Natürlich ist auch hier, wie überall in Melbourne, der Cafe latte erstklassig. Und am Abend, beim Spaziergang zurück zur Straßenbahn entlang der Fitzroy St., fallen mir die vielen ansprechenden Restaurants auf. Und ein paar arme Gesellen, Überbleibsel der drogengeschwängerten 80er Jahre.
Melbourne, 23.07.
(Ich habe beschlossen, meinen Aufenthalt in Melbourne zu verlaengern, da ich endlich richtig eintauche in diese wunderbare Stadt.)
Flug nach Alice Springs, ins Herz des Kontinents, 18.07.2009
Leider saß ich im Flugzeug über dem Flügel am Gang und hatte daher nur begrenzte Sicht auf das weite, rote und trockene Land, was ich so ähnlich zuletzt in Arizona gesehen habe, vor Jahren...
Mit Violinmusik von Kreisler in den Ohren las ich fast während des gesamten Flugs wieder in Chatwin's "Songlines", jener Reisebeschreibung auf der Suche nach der Traumzeit der Aboriginies, einer Suche, die in Alice Springs beginnt, Anfang der 80er Jahre. Ein sensationelles Buch, dessen englische Fassung so viele selten genutzte, präzise Wörter enthält, dass ich die deutsche Uebersetzung lesen muss.
Ebenso wie in Hobart steigt man auch hier die Gangway hinab direkt aufs Rollfeld. Die Sonne scheint und es ist deutlich wärmer als in Melbourne, wie ein europäischer Sommertag, obwohl hier Winter ist. Die Luft duftet nach Eukalyptus, Ginster und Wüste, herrlich. Im Flughafen gönnen wir uns zunächst einen Cafe latte nach dem fast 3 stuendigen Flug. Auf die Frage, was denn in dem "Hummingbird Cake" drin sein, antwortet der Bursche: "Don't know, but surely no hummingbirds (Kolibris)...". Die junge, blonde Frau, die den Kaffee macht, ist eine Deutsche.
Nach einer müden Stimmung gestern bin ich heute wieder aufgeregt und neugierig: die weiße Schale der Eukalyptusbaeume fühlt sich sanft und saftig an, die Strassen sind klasse und eh wir uns versehen, sind wir mitten im erstaunlich überschaubaren "The Alice". Auf dem 13 km Weg in die Stadt wird die Weite deutlich. Eine Abzweigung weist den Weg nach Adelaide und dem nächsten Ort Tennant Creek, etwa 500 km entfernt sowie nach Darwin im Norden, 1000+ km. Jenseits dieser Stadt erstreckt sich also ein weites Nichts, in das wir morgen früh 466 km hineinfahren werden, nach Uluru, dem heiligen Berg der hiesigen Aboriginies.
Auf dem Weg zum King's Canyon, 20.07.
Ich benutze ja gern und oft das Wort "unbeschreiblich", aber hier müsste ich es inflationär verwenden: ob die Weite des Landes, seine wechselnden Farben, die Flora (Fauna ist faktisch nicht zu sehen, abgesehen von einigen Adlern) oder die Endlosigkeit der Strasse. Vor allem aber der Berg aus Sandstein selbst, den wir am Abend gerade rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichen. Auch der lange Weg war nicht ohne Reize. Die 100 bis 200 km voneinander entfernten vermeintlichen Dörfer sind nichts anderes als kleine oder große Raststätten mit rauhen, zumindest aber wortkargen Menschen. Am ersten Stopp, Jim's Place, der mit dem singenden Dingo, der auch Polizeiabzeichen, u. a. aus Niedersachsen, ausstellt, trinken wir einen Kaffee. Etwa 2 Euro berappen wir für Instantkaffee, den man sich selbst zubereiten muss. Der Bursche an der Kasse ist langsam und rechnen kann er nicht. Neben der Raststätte ist eine Kamelfarm, mit Ausstellung über Kamele und ihrem Import nach Australien Mitte des 19ten Jahrhunderts. Auch ein paar Emus, Kängurus und Dingos halten sie hier. Wir sehen eine kurze Weile zu, angezogen vom gurgeligen Gebrüll eines Kamels, wie dieses Jungtier zugeritten wird. Der jüngere Bursche am Gatter des Auslaufs ist erfreulicherweise etwas gesprächig; ein älterer, dürrer Mann mit sehr speckigem Stetson und einer Brille, die seine Augen in die eines Riesenfrosches verwandeln, führt das Tier am Zügel herum. Den schweren Reiter erkenne ich am Ende anhand der Stimme als Frau. Um all dieses nur roter Staub und darüber eine gnadenlose Sonne.
An der zweiten, großen Station, wo die Abzweigung zum Lassiter Highway, unserem weiteren Weg, ist, lunchen wir Cracker, Salami, Käse und Bier. Gespräche mit anderen Reisenden knüpfen sich sehr leicht an, ein bisschen wie auf Bali: how are you? Where are you from? Where do you go? Als bewegte sich des Menschen Schicksal im Wesentlichen um diese Fragen (was es vielleicht tatsächlich tut).
Die dritte Raste ist Mt. Ebenezer, wo wir nur kurz halten und wegen der abgeschlossenen Tanksäule unverrichteter Dinge weiterfahren. Aufgrund ungenauer Anzeige erreichen wir mit dem letzten Liter Sprit eine gute Stunde vor Sonnenuntergang Curtain Springs, wo (wegen haeufigen Diebstahls) die Säulen ebenfalls abgeschlossen sind. Laut Auskunft der dicken Frau brauchen wir noch eine Stunde nach Uluru, weshalb wir schnell weiterfahren. Wie an den anderen Stationen hängen auch hier überwiegend Ureinwohner herum, bemitleidenswert ungepflegt und daher, aehm, herb duftend. Mit 180 km/h fliegen wir voran, ein kurzer Stopp nur für ein paar Fotos vom Mount Connor, einem Tafelberg am Horizont, der es trotz dreifacher Groesse aus mir unbekannten Gründen nicht zu besonderer Attraktion geschafft hat.
Am Park angekommen, nach 25 AUD Eintritt pro Nase, verbreitet sich in uns kindliche Aufregung angesichts des imposanten Anblicks, natürlich wachsend je näher wir kommen. Mit etwa 50 anderen Autos und Campern halten wir auf dem Parkplatz, der speziell für die Sonnenuntergänge hergerichtet wurde. Unser Bier am Mann, geraten wir sofort in eine Gruppe reicher, älterer Farmer und ihrer Frauen aus Queensland, die es sich in Campingstuehlen mit Schampus gemütlich gemacht haben. Ruckzuck kriegen wir von ihnen zwei kleine Hocker und sind mittendrin in einer sehr lustigen, herzlichen und informativen Unterhaltung, nur unterbrochen von ein paar Fotos des sich farblich wandelnden Bergs, als wäre dieser nur Nebensache. Die sympathisch raue Gesellschaft, um keinen Scherz oder Lacher verlegen, fährt schon seit einer Woche mit ihren sehr funktionalen Trucks, zu Campern ausgebaut, durchs Land, bereits 5000 km hinter sich. Nachdem die Sonne schließlich untergegangen ist, brechen sie in Nullkommanichts auf, rufen uns aber noch eine Einladung zum BBQ auf ihrem Campingplatz im Resort zu.
Wir statten danach dem Berg unseren respektvollen Besuch ab, sind fast allein im späten, dunklen Tageslicht. Ein langer Tagesritt, und ein würdiges Ziel!
Abflug Alice Springs, 21.07.
Diesmal sitze ich auf dem letzten Platz hinten am Fenster und kann beim Start gerade noch den Pass in der Mc Donnell Range sehen, hinter dem die Stadt liegt. Und den Stuart Highway, die nord-südliche Lebensader des zentralen Australiens von Darwin nach Adelaide, entlang der Route der ersten Entdecker, der sich scheinbar endlos in die aride Einsamkeit des Horizonts entfernt. Daneben sehen ich jetzt von oben noch die langen roten Kapillaren unbefestigter Sandpisten. Ein Stück der gut ausgebauten und trotzdem spärlich befahrenen Legende sind wir entlanggefahren, in beide Richtungen, bei Nacht und Tag. Eine australische Kleinigkeit von 1500 Kilometern in nur zwei Tagen, wo die groessten Herausforderungen sind, nicht einzuschlafen oder Kaenguruhs und Kamele (sic!) zu überfahren. Nach kurzer Nacht (trotz des eher kurzen Treffens mit den o.g. Campern, die uns ein exzellente Lammkotelett servierten, obwohl sie schon fertig waren) im monopolistisch überteuerten Resort waren wir um 7 Uhr früh wieder am imposanten Sandsteinfelsen, den der weiße Entdecker Grosse Ayer's Rock nannte, die Ureinwohner hingegen Uluru, was heute der maßgebliche Name ist nach der allerersten doppelten Namensgebung des Northern Territory in den 80er Jahren. Wie am Vorabend der Sonnenuntergang ist das Wechselspiel der Farben und der Lufttemperatur allein den langen Weg wert. Aus Respekt vor dem Wunsch und dem Glauben der Aboriginies folgen wir nicht den etwa hundert Touristen bei der Besteigung des Bergs, sondern laufen die 9,4 km herum. Als wenn tatsächlich vom Uluru magische Kräfte ausgehen, beschäftigen mich die wirrsten Gedanken und Phantasien, Harveen geht es wohl ähnlich nach den Dingen zu urteilen, die er ab und an aeussert. Die Felsformationen, Löcher und andere Narben lassen uns wechselnde Sachen sehen, Wale, Delphine, weibliche Vulva oder Totenschaedel. Im Schatten kalt und windig, in der Sonne gleißend und schwitzend, sind wir zwei Stunden später zurück am Ausgangspunkt, froh um die Entscheidung, wie wir den Berg erleben.
Das Cultural Center, wo wir lunchen, ist eher enttäuschend, da es, wie fast alles im Zusammenhang mit den Ureinwohnern hier, gewollt aber nicht gekonnt wirkt. Das ist im Einklang mit dem traurigen Erscheinungsbild der Aboriginies, die ich gesehen habe, und ihrem wachsenden Anspruch, ihre heiligen Stätten geschützt und bezahlt zu haben, ohne die eigentliche heilige Natur diverser Stellen näher zu bezeichnen. In zwei längeren Diskussionen mit weißen Australiern, deren Familien seit Generationen hier leben, hat sich mein Bild zur Situation der Aboriginies deutlich gewandelt, denn ich durfte lernen, die Problematik viel besser zu verstehen, fernab jegliches Rassismusses, trotz der konservativen Sichtweise meiner Gepraechspartner. Im Gegensatz zu jüngeren Leuten in den urbanen Zentren haben die weißen Farmer eine sehr dezidierte, erstaunlich durchdachte und weitgehend emotionsfreie Sichtweise auf die Problematik, die in folgendem Argument kulminiert: durch die Transferleistungen zu Gunsten der Abos wird ein Reiz zur Integration oder alternativ zu einer erfolgreichen Selbstverwaltung zerstört, was sich in der letzten Generation der "befreiten" Abos gezeigt hat und schließlich, wegen alkoholinduziertem Kindesmissbrauch, innerehelicher Gewalt und Verslummung, den Armee-Einsatz (genannt "intervention") provoziert hat. Das Ganze bleibt umstritten, und die international so positiv beachtete Entschuldigung des Premiers Kevin Rudd treibt hier manchem die Zornesröte ins Gesicht. Ein Ausschnitt dieser vertrackten Lage zeigt sich auch in der Diskussion, ob ein Aufstieg zum Gipfel Ulurus ganz verboten werden sollte, wie es die Aboriginies fordern. Trotz allem: sie waren hier zuerst!
Am frühen Nachmittag erreichen wir die andere, aussergewoehnliche Sandsteinformation: „The Olgas“. Ein kurzer hike, dann schnell weiter in wahnsinniger Geschwindigkeit, um noch vor Sonnenuntergang den King’s Canyon zu erreichen. Genau zu dem Zeitpunkt sind wir auf dem Gipfel und haben damit drei wirkliche Sehenswürdigkeiten an einem Tag geschafft, obwohl sie hunderte Kilometer auseinander liegen. Auf der nächtlichen Rückfahrt über 500 km nach Alice Springs müssen wir aufpassen, keine Tiere zu überfahren. Mit einem Känguru wird es knapp...
16.07.2009 Melbourne und Tasmanien
Melbourne
Natürlich komme ich nicht nach mit der Beschreibung meiner Reisen, da es so munter vorangeht. Die Reise mit dem Moped rund um Bali, 10 Tage lang, war das beste und intensivste Reiseerlebnis seit langem, und trotz neuer Eindrücke vermisse ich es jetzt noch, zwei Wochen später: freundliche Menschen in den Dörfern, lachende Kinder, die immerzu "hello" rufen, allerorten, Tempel am Meer und in den Bergen, wo ich mitunter ganz allein war und sogar in andächtige Stimmung verfiel, Sonnenuntergänge über Java und vieles mehr. Was ich aber explizit noch erwähnen möchte sind meine Schnorcheltrips um Pulau Menjangan im Nordwesten, ein Teil des Nationalparks, wo sich eine parallele Welt auftut, so schön und bar jeder Beschreibung, dass es einem Tränen in die Augen treibt. Wohl 10 Minuten habe ich mir die kleinen Nemos angesehen, die sich so niedlich in eine der wenigen Anemonen kuschelten. Insgesamt war es eine Reise für die Augen, wenn ich zu obigem noch die Reisfelder von Jatiluweh und der Sideman Road hinzuzähle.
Tasmanien, 12.07.2009
Und nun wieder Tasmanien, von Singapur via Melbourne, 8 Stunden Nachtflug, auf dem ich wie gewöhnlich nicht schlafe, was sich aber durch das ausnahmsweise Auslassen von Alkohol gut ertragen lässt. Mein Kumpel Harveen und Jason, CEO von StarIntellect, sind mit mir unterwegs. Der Anschlussflug mit Jetstar verspätet sich um etwa 1,5 Stunden. In Hobart angekommen, stelle ich sofort den hiesigen Winter fest: bedeckt, 12 Grad C, kalter Wind. Harveens Onkel Jass holt uns ab und wir fahren direkt durch Hobart zu einem Vorort an der Bay, wo Jass' Jüngster mit seiner Fußballmannschaft von der Gegenpartei eine harte Packung kriegt. Graue Wolken hängen über den grünen Hügeln, das Gras ist kurz und die Erde loechrig von den Stollenschuhen. Den groessten Teil der Zuschauer machen die Möwen aus, die sich im wahren fliegenden Wechsel auf dem Fußballplatz niederlassen. Die Trainer brüllen aufmunternd über den Platz. Ich friere in meinem Jackett, der Leinenhose und den Halbschuhen - Harveen gibt mir seine Mütze. Friedlich ist es hier, irgendwie heile Welt, getragen von dem breiten Englisch und eine in den Wolken hängende Gelassenheit, trotz des hitzigen, jugendlichen Kampfes vor uns, über den Holzhäusern im amerikanischen Stil. Ich kann spüren, wie alles seinen gewohnten Gang geht. Warum ich hier bin, weiß ich nicht. Irrelevant - es ist halt so. Was für ein Gegensatz zu Bali! Der Regen ist nur Minuten entfernt...
Hobart, Tasmanien, 13.07.2009
Jass' Holzhaus steht weit oben am Berghang, auf den zur Hauptstadt Hobart abgewandten Seite. Vom Balkon aus hat es einen wunderbaren Blick in die weite Ebene, die Frederick Henry Bay und den blaugrauen Hügeln dahinter. Hier ist selbst ein grau verhangener Regentag noch schön. Im Haus, wo Geselligkeit und Gastfreundschaft groß geschrieben werden, tönt oft eine angenehme indische Gebetsmusik, die dem sonst sehr westlichen Lebensstil eine exotische Note verleiht: Jass ist wie Harveen ein gläubiger Sikh, was aber aufgrund der hohen Toleranz und Modernität der Religion (Gleichberechtigung von Mann und Frau ist schon seit über 500 Jahren festgeschrieben), abgesehen von der Musik und dem regelmaessig genutzten Gebetsraum nicht weiter auffällt und nur durch das Nichtschneiden der Haare und dem Turban ständig präsent ist.
Im Garten springen reichlich Wallabies herum, wie Riesenkaninchen oder einem faulen Kompromiss zwischen Hase und Kaenguruh. Da liegt auch schon mal ein totes Tier neben der Strasse, "road kill" genannt.
Bali, Ende Juni 2009
Eines der vielen schönen Rätsel dieses so unglaublich freundlichen Voelkchens ist seine Musik, Gamelan genannt, die in krassem Gegensatz zu seiner Fröhlichkeit und entspannten Neugier steht: ein Gejaule und Geklapper, in einem fort, ohne Höhepunkte oder besondere Harmonie. Sie mag einen Haufen hellhäutiger Mittvierziger/innen in Verzückung bringen, von wegen des kulturellen Reichtums etc., tönt es doch aus jedem Restaurantlautsprecher gleich der Orgelmusik im Fahrstuhl eines europäischen Kaufhauses. Vielleicht steckt in der Musik jene Aufdringlichkeit, an deren Grenze diese bisher ungekannte Freundlichkeit stoesst. Jedes Mal: where you from, where you go? Übertrieben lautes "Hello!". Aber wenn ich an das etwa zweijährige Mädchen denke, die heute morgen an meinem Weg stand und mir unentwegt, unschuldig und fröhlich zuwinkte, wird mir klar, es muss genetisch sein. Eine Lust zum positiven Denken, ein guter Menschheitsglaube, ein Spaß am Fremden - obwohl die Holländer, als Fremde eben, diesem Volk mitunter böse zugesetzt haben, insbesondere 1906, 1908 und 1946. Im Monument von I Gusti Ngurah Rai, der auch jede 50.000 Rupiah Note ziert und dem hiesigen Flughafen seinen Namen gibt, in Margarana, wurde mir klar, dass selbst diese Genetik ihre Grenzen hat. Und mich reizt der Gedanke, das Schicksal dieses Freiheitskämpfers und seiner tapferen Mannen näher zu untersuchen. Schließlich sind alle Kohlhaas'chen Geistesbrueder meine Freunde! Und Wikipedia spuckt herzlich wenig zu ihm aus.
22.06.2009 - Ein Tag auf Bali
Mich dünkt, als träumte ich diesen Tag nur: nach dem Mittagscafe finde ich zufällig, ganz in der Nähe meiner Villa, einen kleinen Buchladen, als Teil eines weiteren, sehr geschmackvollen Cafes. Die Verkäuferin erzählt mir von ihrem Projekt, vom hiesigen Rotary Club gestützt, Grundschulen mit Büchern auszustatten und Kindern kostenlose Lesungen und Englischkurse zu bieten. Tolle Sache! Mit der tagesaktuellen Ausgabe des International Herald Tribune gönne ich mir einen weiteren Cafe, bevor ich mit dem Moped nach Süden aufbreche, über die Schnellstrasse Richtung Nusa Dua. Unbeschreiblich, wie viel Spaß es machen kann, sich bei Staub und Hitze durch verstopften Verkehr zu manövrieren. Ich gerate weiter als gewollt, das Mädchen mit dem Moped gibt bereitwillig Auskunft, fragt nach meinem Namen und woher ich komme und lächelt, natürlich.
Ich gelange mehr zufällig an den Geger Strand, ganz im Süden, und plötzlich bleibt die Zeit stehen an diesem paradiesischen Ort, als ich zum Lunch ein Thunfischsandwich und ein Bier verputze, nur schauend. Anschließend lasse ich mich treiben: zu Tempeln, die verfallen und Resorts, die noch im Bau sind, und bin wieder verloren auf Strassen ohne Namen – herrlich! An einer Dorfkreuzung irgendwo freuen sich die Kinder und lachen, als ich sie nach dem Punkt auf meiner Karte Frage. Es hält eine junge Familie auf einem Moped, Kleinkind vorn, Mutter am Lenker und Vater auf dem Sozius, alle drei sehr schoene Menschen, die mich Verlorenen kurzerhand über Stock und Stein zur Hauptstrasse führen und mich tatsächlich, für den Fall einer späteren Wiederkehr, in ihr Haus einladen - nach sehr geringem Wortwechsel.
Am frühen Abend beim berühmten Tempel Ulu Watu lassen sich einige junge Leute aus Jakarta lachend mit mir fotografieren, weil ich aussähe wie Bruce Willis. Es sind so viele kleine Erlebnisse mit den Menschen und ihrer selbstlosen Freundlichkeit, die die Faszination Balis ausmachen.
Es wurde dunkel über dem Meer in Ulu Watu, ich taste mich noch allein um den Tempel und breche auf zum Rückweg. Das Dinner genieße ich in Jimbaran, im Four Seasons Resort, wo die Brandung so herrlich gegen den nächtlichen Strand lärmt. Der Ober verwickelt mich in ein kurzes Gespräch, und ich sage ihm, dass mich, angesichts der Lichter vom Flughafen zu meiner Rechten, die Menschen dauern, die genannte Faszination Balis noch vor sich haben wenn sie landen, fast genauso sehr wie ich jene bedaure, die davonfliegen und es hinter sich haben, denn ich – ich bin mittendrin!
Noch weiter rechts, am Strand hinter mir, leuchten die kleinen, dunkelgelben Lichter von den Strandrestaurants in Jimbaran, leuchten wie Kerzen einer katholischen Prozession. Erst vor drei Tagen habe ich selbst dort gesessen und ganz einfach aber exzellent gespeist.
In diesem Moment kommt ein Flugzeug, und ein anderes geht, es scheint fast, als sei es ein und dasselbe, das nur kurz auf der Landebahn aufsetzt. Und die angestrahlten Wolken am dunklen Abendhimmel über der Landebahn leuchten tatsächlich wie eine verwunschene, balinesische Tempelruine, wobei der vermeintliche Hauptturm auch ein tanzender Derwisch sein könnte…
20.06.2009: Nachtrag zu Bangkok
Dann also Bangkok, vow, was für ein irre Stadt. Die Annäherung war kurz: ein Lonely Planet, gekauft am Flughafen und auf dem 2-stuendigen Flug angelesen, ließ mich ahnen, worauf ich mich einlasse, und bleibt jetzt, in der Rückschau, doch hinter dem Erlebten zurück. Die ganze Faszination entfaltet sich, und lässt sich am besten anhand eines Markterlebnisses umreißen, dass ich in Khlong Toey hatte, welches wie ein Spiegel all der Symphonien und Widersprüche dieser Stadt wirkt.
Eine ungekannte Vielfalt an Fisch, Fleisch, Früchten und Gemüse, vieles nie vorher gesehen, lebend oder tot, roh und verarbeitet, liegt halbherzig gekühlt in der stickig stinkenden Hitze. Gegen Mittag findet noch immer kein einziger weiterer Weißer außer mir weit und breit, die Thais sind unter sich, erstaunlich bei der zentralen Lage nicht fern des Lumphini Parks und dem Erlebnis per se. Wie beispielsweise schon angeschnittene Welse noch so stark zucken, dass sie aus der Schüssel springen, vom entnervten jungen Kerl wieder eingefangen. Schöne, junge Frauen schlachten hier und da, zerteilen Hühner und nehmen Fische aus, zunächst teilnahmslos, dann lächelnd, als sie mein Staunen bemerken. Und weiter, in jede Gasse! Auf dem Käfig mit den dicht gedrängten, erbärmlichen Hühnern liegen in hohen Stapeln ihre schon toten, nackten Kameraden. Den Enten geht es ebenso. Die Kulis in roten Westen treiben ihre Schubkarren hastend durch die Leute oder stehen und quatschen. Eine freundliche, ältere Frau, mit den Einkäufen für eine sicher köstliche Thom Yam Suppe schon fertig, spricht mich in erstaunlich gutem Englisch an und erklärt mir einiges, vor allem die entkernten Huehnerfuesse, ich will es nicht glauben. Sie schenkt mir eine Mangostane und verschwindet so plötzlich wie gekommen, und von weitem winken wir einander noch mal herzlich zu, bevor ich in den nächsten Stand eintauche...
Vom Nachleben und ebenso von den kulturellen Wundern ließe sich ausführlich schwärmen, aber ein wenig will ich auch jedermanns Phantasie überlassen.
13.06.2009
Nach meinem Umzug in Singapur und einer kurzen Reise nach Bangkok vor 10 Tagen bin ich gerade wieder auf dem schoenen Bali angekommen.
Bald mehr!
04.05.2009
Nach sechs Wochen diverser Reisen bin ich wieder in Singapur angekommen. Die Erlebnis- und Eindrucksdichte war fast zuviel. Noch ganz verzaubert von Bali, nach kurzen Intermezzi in Singapur, Norddeutschland und Zürich, stand ich plötzlich oben auf einem Berg in Österreich in sonniger Schneelandschaft und wunderte mich, ob ich wohl den Berg auf Skiern heil wieder hinab käme – nun, es hat funktioniert. Zu Ostern war ich natürlich in der Heimat und changierte danach zwischen Bremen und Oldenburg. In Berlin war ich auch noch. Am 25.04. kam ich mit meiner lieben Mutter und Schwägerin in Singapur an und habe ihnen einige Tage diese Stadt gezeigt. Seit einigen Tagen wieder allein, nutze ich die Zeit, ein wenig das Erlebte zu reflektieren, Liegengebliebenes zu erledigen und meinen Umzug vorzubereiten.
14.03.2009
Sydney riecht nicht wie andere Städte im Sommer, nein, Sydney duftet. Die Quelle habe ich nicht ausmachen können, aber sicher hat die wunderschöne Flora, vor allem im Botanischen Garten, damit zu tun. Selbst in dem berühmten Opernhaus, das schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, meinte ich während „Madame Butterfly“ den Duft von Blumen wahrzunehmen. Eine Wonne wo man geht und steht, neben den ohnehin schönen Parks und Uferlinien, von der Harbour Bridge gar nicht zu reden. Trotzdem verließ ich für einen Nachmittag gern die Stadt, um mit dem öffentlichen Bus in weniger als einer Stunde zum Bondi Beach zu fahren, jenem echt gewordenen Postkartenpanorama: Sandstrand, Felsen, starke Wellen und grünblaues, sauberes Wasser.
Melbourne hingegen ist anders, mit dem charakteristischen, angenehmen Geruch einer Stadt, und einem ganz anderen Charme, der gern europäisch genannt wird. Hier habe ich Cafes genossen, die fast alles Bisherige in den Schatten stellen. Meines Erachtens zu Recht gilt Melbourne neben Vancouver als lebenswerteste Stadt der Welt. Und liebenswert: wie im morbiden Charme des Windsor Hotels die Gesellschaft beim High Tea versucht, britische Klasse zu imitieren und es ohne Reue doch nicht schafft. Das morgendliche Joggen, auch hier im Botanischen Garten, der wie in Sydney nahe der Innenstadt liegt, ist bei schon in der Frühe heißer Sonne und subtropischer Vegetation herzerwärmend. Auch von hier machen wir einen Ausflug, zur Phillip Island (anstatt zur Great Ocean Road), südöstlich der Stadt, um bei kleinen Weinbauern deren Produkte zu kosten, die erstaunlich gut sind. Das Land ist heiß und karg. Was für ein Kontrast zu dem sehr kühlen, blitzsauberen Meerwasser im Süden Tasmaniens, in das ich nach einigen Runden mit dem Kajak endlich eintauchte. Hier, außerhalb der Hauptstadt Hobart, ist alles Weite und Trockenheit, bevölkert von wenigen Menschen, aber vielen Wallabies (kleine Kängurus). Die Freundlichkeit, Gastfreundschaft und praktische Art der Leute ist noch umwerfender als an den anderen beiden Orten, die ich besucht habe. Natürlich gab es jeden Tag ein Barbecue, mit fetten Steaks und reichlich Drinks, daneben aber Austern, die man direkt vom Privatstrand essen konnte – frischer geht’s nicht!
Nun schon zwei Wochen ist diese Australienreise her, und meine Begeisterung für das Land und seine Menschen schwingt noch nach bei der Lektüre von Bruce Chatwins „Songlines“, denn niemand kann der Faszination und der Tragödie der Aborigines ausweichen, wenn man sich mit Australien beschäftigt. Die Begeisterung fällt nicht schwer, denn neben dem schon genannten ist das Kulinarische hoch zu loben, bei erschwinglichen Preisen. Auch spielt eine Rolle, mit meinem Kumpel H. einen guten Freund an der Seite gehabt zu haben, außer in Sydney.
Nachdem ich in der Zwischenzeit vieles bezüglich meines beruflichen Ausstiegs und der zukünftigen Aktivitäten vorbereitet habe, reise ich kommenden Dienstag, zunächst allein, für eine Woche nach Bali, einige Freunde kommen nach. Nach weiteren fünf Tagen in Singapur geht es dann in die Osterferien nach Europa.
20.02.2009Nun also, auf geht's mit dem Reisezyklus! Gestern Abend bin ich mit meinem Kumpel Harveen in Melbourne angekommen und bin natuerlich begeistert vom europaeischen Flair bei schoenstem Sonnenschein und seichtem Wind. Kleine Nebenstrassen mit Cafes und Bars laden ein zu einem leichten Lunch mit einem Glas Sauvignon Blanc, die Kaffeekultur ist hoch entwicklet. Bis morgen schaue ich mir das StarIntellect office an, jener Startup Firma, in deren Advisory Board ich seit etwa zwei Jahren bin, und natuerlich diese wunderbar einladende Stadt. Am Samstagnachmittag fliegen wir gemeinsam nach Hobart, Tasmanien, bis kommenden Dienstag, wenn ich via Melbourne fuer ein paar Tage nach Sydney fliegen werde - wo ich schon mal in der Gegend bin. Am letzten Februarwochenende komme ich nach Melbourne zurueck, um nach einer geplanten Tour entlang der Great Ocean Road nach Singapur zurueck zu fliegen.
Ich hatte noch gut zu tun in den vergangenen Tagen, daher habe ich es nicht mehr geschafft, die vielen freundlichen und aufmunternden Mails nach meiner Rundmail zum Ausstieg aus der Bank zu beantworten - was ich aber noch tun werde, nur eben erst im Maerz. Also: bis bald!
10.02.2009
Seit über einer Woche bleibe ich nun zuhause und geniesse den sogenannten "garden leave", die Freistellung vom Job bis zum Ende meines Vertrags am 31.03. Wider Erwarten geht sich das ganz gut und ruhig an. Da ich noch keine neuen beruflichen Aktivitäten aufnehmen kann, kümmere ich mich zunächst um mich selbst, lebe gesund und sportlich, nutze die schönen Seiten meiner Wohnanlage, und erledige jene Dinge, die für gewöhnlich liegen bleiben. Gewöhnungsbedürftig bleibt die viele Zeit allein und die Tatsache, dass meine Aufmerksamkeit nicht mehr gezogen wird, sondern von mir aktiv gesteuert werden muss. Aber so ensteht jene Muße, die nötig ist, um standfeste Zukunftsperspektiven zu entwickeln.
Mein Abgang aus der Bank war letztlich ganz entspannt und unspektakulär: auf den Punkt hatte ich mein Büro geräumt und konnte mich auf der von lieben Kollegen für mich organisierten Abschiedfeier amüsieren.
Alles in allem: mir geht es zur Zeit recht gut!
27.01.2009
Eine persönliche, bedeutende Entscheidung: nach nun fast 20 Jahren verlasse ich die Commerzbank Gruppe aus geschaeftspolitischen und privaten Gründen, letztlich, um mir selber treu zu bleiben. Ab dem 1. Februar bin ich freigestellt, formell endet mein Arbeitsverhältnis am 31.03. des Jahres. Ich beabsichtige, bis auf weiteres in Singapur zu bleiben und trotz der zur Zeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine eigene Firma aufzumachen, über die ich meine reichlich gesammelte Erfahrung im Wirtschaftsleben für interessierte Menschen und aufregende Projekte einsetzen möchte, um sinnvolle Mehrwerte zu schaffen. Gleichzeitig möchte ich die immens glückliche Fügung, in der Mitte meines Lebens bezüglich Zeit und Geld in einer auskömmlichen Lage zu sein, nutzen, um die Seele Asiens und seiner Kulturen auf den Grund zu gehen. Meine Eindrücke beabsichtige ich, hier festzuhalten.